Eon und RWE sortieren sich neu Innogy-Deal: Teyssen will schonenden Jobabbau

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Kugelschreibertausch: Rolf Martin Schmitz, Vorstandschef von RWE, und Johannes Teyssen, Eon-Chef, tauschen nach der gemeinsamen Pressekonferenz Schreibgeräte aus. Foto: dpaKugelschreibertausch: Rolf Martin Schmitz, Vorstandschef von RWE, und Johannes Teyssen, Eon-Chef, tauschen nach der gemeinsamen Pressekonferenz Schreibgeräte aus. Foto: dpa

Essen. Die Energieriesen RWE und Eon haben ihre Pläne für die Aufteilung von Innogy vorgestellt. Den Wegfall von bis zu 5000 Stellen bei der RWE-Ökostromtochter will Eon-Chef Johannes Teyssen ohne betriebsbedingte Kündigungen bewerkstelligen.

Die riesigen Logos von RWE und Eon ließen keinen am Dienstag keinen Zweifel, wer in den Saal der Essener Messe eingeladen hatte. Nur der Schriftzug der Firma Innogy – immerhin der Grund für die hastig einberufene Pressekonferenz –, der fehlte. Das war kein Zufall, denn die erst vor zwei Jahren gegründete RWE-Ökostromtochter wird von den Energieriesen zerschlagen. Eon-Chef Johannes Teyssen pries das Vorhaben als einen der „kreativsten Gestaltungsdeals der deutschen Industriegeschichte und eine einmalige Gelegenheit“.

Ob die Eon- und Innogy-Mitarbeiter diesen Enthusiasmus teilen? Immerhin will Teyssen durch Synergieeffekte bis zu 5000 Stellen einsparen. Betriebsbedingte Kündigungen solle es nicht geben, betonte der Eon-Chef und verwies auf „herausragende Entwicklungschancen“, die mittelfristig tausende neue Jobs „in Essen, Deutschland und Europa“ schaffen könnten.

Und so sieht der Deal aus: Eon übernimmt die 76,8-Prozent-Beteiligung der RWE an Innogy und will den Minderheitsaktionären 40 Euro für ihre Anteilsscheine bieten. RWE soll das Geschäft mit den Erneuerbaren Energien von Innogy und Eon erhalten, Eon die einträglichen Netze und den Vertrieb. RWE überweist 1,5 Milliarden Euro an Eon und erhält eine Beteiligung von knapp 17 Prozent an dem Rivalen. Unklar ist, was mit der Marke Innogy passieren soll.

RWE-Finanzvorstand Markus Krebber erwartet, dass der Deal bis Ende kommenden Jahres abgeschlossen sein wird. Allerdings müssen die deutschen und europäischen Wettbewerbsbehörden und die Finanzaufsicht Bafin dem Deal noch zustimmen.

Mit der Transaktion entstehen zwei Energiekonzerne mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Eon wird nach eigenen Angaben zukünftig 80 Prozent seines Gewinns im staatlich regulierten Netzbereich machen. RWE stärkt unterdessen seine Position als Stromerzeuger. Der Anteil der Stromproduktion am operativen Ertrag soll von 60 auf 90 Prozent zulegen. Mit dem Wiedereinstieg in das Erneuerbaren-Geschäft kommt RWE in Zukunft auf eine Gesamtkapazität von 46 Gigawatt, wobei der Löwenanteil weiterhin auf konventionelle Kraftwerke entfällt. „Konventionelle und erneuerbare Energien sind zwei Seiten einer Medaille“, sagte Konzernchef Rolf Martin Schmitz. „Jetzt sind wir mit einem Schlag auf beiden Seiten exzellent aufgestellt.“ Bei den erneuerbaren Energien sei „eine schlagkräftige Größe erfolgsentscheidend“. Diese hätten weder Innogy noch Eon gehabt. Schmitz kündigte an, kräftig in die Ökostromproduktion investieren zu wollen.

Bei all der Aufregung um die Innogy-Zerschlagung ging eine Nachricht fast unter: Sowohl Eon als auch RWE gehen mit Rückenwind in die Umbauphase. Nachdem beide Konzerne im Jahr 2016 Milliardenverluste wegen Abschreibungen auf ihr Kraftwerksgeschäft und Zahlungen an den staatlichen Atommüllentsorgungsfonds verbucht hatten, kehrten sie 2017 in die Gewinnzone zurück. Eon erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Konzernüberschuss von knapp 4,2 Milliarden Euro, der bereinigte Konzernüberschuss lag bei rund 1,4 Milliarden Euro.

Der Rivale RWE meldete am Dienstag für 2017 auf ein bereinigtes Nettoergebnis von 1,2 Milliarden Euro. Das Ergebnis Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg 2017 um sieben Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. Nach Angaben von Finanzvorstand Krebber wird RWE sein EBITDA nach Abschluss des Deals etwa verdoppeln. Da sich die Verschuldung nur moderat um 2,8 Milliarden Euro erhöhe, „wird sich unser Verschuldungsfaktor erheblich verbessern.“


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