Neuordnung im Energiesektor Innogy-Aufteilung löst geteiltes Echo aus

Von Manuel Glasfort und Uwe Westdörp

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mgl/uwe/dpa Osnabrück. Für die Neuordnung ihres Energiegeschäfts wollen Eon und RWE das bisherige Ökostrom- und Netz-Unternehmen Innogy zerschlagen. Der Schritt stößt auf Zuspruch bei Politik und Gewerkschaften, aber auch auf Skepsis bei Ökonomen.

Mit Rückendeckung aus Gewerkschaften und Politik können Eon und RWE die Zerschlagung der Ökostrom-Firma Innogy angehen. Der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und Vize im RWE-Aufsichtsrat, Frank Bsirske, will dem Vorhaben zustimmen. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die bei RWE einflussreichen NRW-Kommunen sehen die geplante Neuordnung im Prinzip positiv. Der Chef des Verbraucherzentralen-Verbands, Klaus Müller, betonte jedoch, dass die Konsequenzen des Deals etwa mit Blick auf die Strompreise genau geprüft werden sollten.

Eon hat vor, zunächst Innogy komplett zu übernehmen und im Gegenzug den Rivalen RWE am eigenen Unternehmen zu beteiligen. Eon würde dabei das lukrative Innogy-Netzgeschäft erhalten, die erneuerbaren Energien sollen unter dem Dach von RWE vereint werden. Das erst zwei Jahre alte Unternehmen Innogy würde damit aufhören zu existieren. Vorstandschef Uwe Tigges hielt sich gestern auf der Bilanzpressekonferenz in Essen zu den Plänen bedeckt.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnte mit Blick auf die geplante Neuordnung bei Eon und RWE vor einem Rückschlag für die Energiewende. DIW-Energiewirtschaftsexpertin Claudia Kemfert sagte unserer Redaktion, es sei kaum zu erwarten, dass RWE die Energiewende voranbringen werde. Kemfert betonte: „Anders als Eon hat dieser Konzern in der Vergangenheit sehr rückwärtsgewandte Unternehmensentscheidungen getroffen und zu wenig Geschäftsmodelle für erneuerbare Energien entwickelt.“ Dass die RWE-Tochter Innogy kaum lebensfähig sei, sei „die direkte Konsequenz aus diesen wenig innovativen Managemententscheidungen“. Kemfert verwies zudem darauf, dass Eon sich nun in erster Linie auf das Netzgeschäft konzentrieren wolle, obwohl das Unternehmen nach der Aufspaltung durchaus interessante Geschäftsmodelle für die Energiewende entwickelt habe. „Dass dies nun aufgegeben wird, ist für die Energiewende ein Rückschlag.“

Der Ökonom Christian Rusche vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) fürchtet indes die Folgen für den Wettbewerb. „Durch die geplante Aufteilung von Innogy wird RWE in der Stromerzeugung an Marktmacht gewinnen, Eon im Netzgeschäft. Es könnte problematisch werden, dass die Konzentration auf den jeweiligen Märkten zunimmt.“ Bedenklich sei außerdem, dass RWE einen substanziellen Anteil an Eon erhalten solle und so Einfluss auf die Geschäftsführung eines Konkurrenten erhalte. Das Bundeskartellamt werde genau hinsehen. Seite 7


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