Anzahl der Gastronomen steigt Innenstädte im Wandel: Mode, Gastronomie – und was kommt dann?

Von Nina Kallmeier

Es ist auffällig: Ob im Shopping Center oder in der Innenstadt, die Anzahl der Gastronomen steigt – vom Bäckerei-Café bis zum Burgerladen. Es ist ein Trend, den die IHK seit einigen Jahren beobachtet. Er setzt sich fort – auch, weil der Kunde es so erwarte. Symbolfoto: Carsten Rehder/dpaEs ist auffällig: Ob im Shopping Center oder in der Innenstadt, die Anzahl der Gastronomen steigt – vom Bäckerei-Café bis zum Burgerladen. Es ist ein Trend, den die IHK seit einigen Jahren beobachtet. Er setzt sich fort – auch, weil der Kunde es so erwarte. Symbolfoto: Carsten Rehder/dpa

Osnabrück. Es ist auffällig: Ob im Shopping Center oder in der Innenstadt, die Anzahl der Gastronomen steigt – vom Bäckerei-Café bis zum Burgerladen. Es ist ein Trend, den die IHK bundesweit seit einigen Jahren beobachtet. Er setzt sich fort – auch, weil der Kunde es so erwarte.

Rund 108 Euro im Monat gibt jeder Deutsche statistisch gesehen im Monat für Bekleidung aus – mehr als dreimal so viel für die Ernährung. Und nicht nur die steigende Anzahl der Single-Haushalten sorgt dafür, dass allein zwischen Januar und August 2017 1,5 Milliarden Euro mehr für Außer-Haus-Verzehr ausgegeben wurde als noch im Jahr zuvor. Insgesamt waren es rund 80 Milliarden Euro.

Wandel seit zwei Jahren intensiv

Diese Schwerpunktsetzung der Konsumenten bleibt auch für den Handel nicht ohne Folgen: Innenstädte und auch Shopping Center sind im Wandel. Das ist kein Phänomen kleinerer Städte, betont Falk Hassenpflug, Projektleiter Handel und Tourismus der IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, unterstützt von seiner Kollegin des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Ulrike Regel. „Der Wandel ist in den letzten zwei Jahren intensiver geworden.“ Und häufig würden gastronomische Konzepte mittlerweile in Verkaufsflächen eingebunden, sagt der Handelsverband Textil (BTE). Das bekräftigt auch die jüngste Studie des Kölner Handelsinstituts EHI zur Handelsgastronomie, also gastronomischen Angeboten, die im direkten Zusammenhang mit dem Einzelhandel stehen. Ein Großteil der mehr als neun Milliarden Euro Umsatz in der Handelsgastronomie wird im Lebensmitteleinzelhandel erwirtschaftet, zu dessen Konzepten laut EHI unter anderem Bäckereien und Metzgereien in Supermärkten gehören.

Mode - Gastronomie - Dienstleistung

Diesen Trend zur Verknüpfung von Handel und Gastronomie gibt es – wenn auch laut EHI-Erhebung noch verhalten – im Bereich Textil ebenso. Die Umsätze liegen bei rund 50 Millionen Euro pro Jahr. Die Zahl der Unternehmen im Modeeinzelhandel hat sich in den vergangenen Jahren jedoch stark verringert. „Wir haben seit Jahren eine Konzentrationswelle im Modehandel zulasten kleiner Geschäfte“, so der Handelsverband Textil (BTE). Mit Blick auf die Innenstädte zeigt sich für Falk Hassenpflug eine ganz klare Entwicklung – auch aufgrund der zu zahlenden Mieten in 1A-Lagen: Geht der Handel, kommt, unabhängig vom Konzept, meist die Gastronomie. Geht diese aus den Räumlichkeiten heraus, werden sie oft von Dienstleistern wie Steuerkanzleien genutzt. Gehen auch sie, kommen Betriebe, die nicht auf Kundenfrequenz angewiesen sind. Die letzte Nutzung gilt dem Wohnraum. „An diesem Punkt sind wir in Osnabrück, anders als in manchen Regionen wie im Harz oder in Ostdeutschland, aber noch nicht“, betont Hassenpflug.

Textilindustrie mit Sogwirkung

Wichtig ist für den Handelsexperten, dass es eine Nutzung gibt und die Immobilien nicht leer stehen. Dabei können sich Straßenzüge in den Innenstädten durchaus unterschiedlich entwickeln, wie jährliche Handelsmonitore zeigen. Insgesamt gelte jedoch: Der Trend zum E-Commerce führt dazu, dass Einzelhändler ihre Flächen zurückfahren. Das kann auch Michael Latz, Manager des ECE-Shopping-Centers in Bielefeld, für seine Branche bestätigen. „Der klassische Einzelhandel überlegt sich gut, wie viel Fläche er braucht. Jeder Quadratmeter kostet Geld.“ Diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, falle im Bestand oder in den Innenstädten schwerer. Dennoch betont Latz den hohen Stellenwert eines guten Angebots im klassischen Einzelhandel. „Ein Center wird durch große Marken für Mode und Lifestyle attraktiv.“

Symbiose von Handel und Gastronomie

Allerdings: Wenn es um die Frage gehe, in welches Shopping-Center man fährt, zeige die Statistik erneut die große Bedeutung des Gastronomieangebots. Für den DIHK ist es auch das Gesamterlebnis, das Einwohner und Touristen in den Innenstädten suchen. Eine Symbiose von Handel und Gastronomie, nennt es IHK-Handelsexperte Hassenplfug. „Die Verweildauer der Kunden wird durch ein gastronomisches Angebot höher“, sagt er. Der Trend sei bundesweit und auch international sehr deutlich zu sehen. Und ein hohes gastronomisches Angebot habe noch einen anderen Vorteil: „Die Leute sind weniger gestresst, gehen nach der Stärkung noch ein bisschen Shoppen und geben vielleicht sogar auch ein bisschen mehr aus.“

Wandel noch nicht abgeschlossen

Insgesamt ist der Wandel im Bekleidungseinzelhandel noch nicht abgeschlossen, betont der Handelsverband Textil. Ein großer Aspekt, der den Umbruch weiter vorantreibt, ist die fehlende Nachfolge. Immer weniger Mittelständler haben oder finden Interessenten für die Übernahme des eigenen Unternehmens, so der BTE. Entsprechend nimmt die Marktkonzentration weiter zu.