Digitalisierung und Bowls Internorga 2018: Gastro-Messe zeigt Ernährungstrends

Von Markus Lorenz

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Hamburg. Als sei ein Fenster in die Zukunft unseres Essens aufgegangen: Die Gastro-Messe Internorga zeigt in Hamburg bis zum 13. März die angesagtesten Ernährungstrends für zu Hause und unterwegs. Erwartbares und Bodenständiges ist darunter, aber auch viel Erstaunliches.

Zur internationalen Leitmesse für Hotellerie, Gastronomie, Bäckereien und Konditoreien sind die Hallen unter dem Fernsehturm rappelvoll, wie Messechef Bernd Aufderheide berichtete. 1300 Aussteller aus 25 Ländern tischen auf und zeigen neueste Ausstattungsideen. Rein dürfen allerdings nur Fachbesucher.

Das gute Gewissen isst mit

„Die Megatrends sind Digitalisierung und Bowls“, verriet Karin Tischer, Trendforscherin und Inhaberin des Fachunternehmens Food & More, die zu Beginn der Messe in einem Vortrag auch von internationalen Trends wie Restaurants im Wasser, Eulencafés in Japan und Sushi im Croissant berichtete. Bowls steht für Schüsseln, wegen der bauchigen Rundung auch Buddha Bowls genannt. In ihnen werden kleinere, stets gesunde Mahlzeiten aus mehreren geschichteten Komponenten serviert – von Salaten über Getreide bis Obst. Neben dem guten Gewissen isst bei den appetitlich gestalteten Gerichten vor allem das Auge mit. Angelehnt ist das Ganze an das „Clean Eating“, das weitgehend ohne künstlich und fertig hergestellte Lebensmittel auskommt.

Acht Millionen Vegetarier

Verzicht üben auch immer mehr Menschen bei Fleisch und anderen Tierprodukten, berichtete Katleen Häfele von ProVeg Deutschland. Keine neue Bewegung zwar, aber eine immer stärker werdende. Acht Millionen Vegetarier gebe es mittlerweile hierzulande, dazu 1,3 Millionen Veganer. Und: Schon die Hälfte der Bevölkerung zählt Häfele zu den „Flexianern“ – Menschen, die Tierprodukte zumindest tageweise verbannen. Und wenn sie doch zugreifen, dann muss es Biofleisch sein.

Versuchungen nicht immer widerstehen

„Food Hopping“ nennt Tischer das verbreitete Phänomen, sich nicht durchgängig gesundheitsbewusst zu ernähren. „Viele Menschen erliegen zugleich immer wieder der Genussverführung.“ Dann lassen sie sich Pizza oder Nudeln künftig wohl immer öfter per Lieferroboter oder Drohne bringen, auch das ein Gastro-Trend der Zukunft. „Digitalisierung ist in der Gastronomie von gigantischer Bedeutung“, sagt Expertin Tischer, die auf der Internorga im „Pink Cube“ derlei Neuigkeiten vorführt.

Dort zeigt sie auch den „Virtual Table“, ein Restauranttisch wie ein Monitor. „Durch verschiedene Projektionen lässt sich darauf für jeden Gang eine andere Inszenierung erzeugen.“ Obendrein können Hoteliers in Hamburg erstmals erleben, wie sie womöglich bald an das Inventar ihrer Herberge kommen. Karin Tischer: „Wir zeigen, was hinter dem ersten Hotel aus dem 3-D-Drucker in Singapur steckt.“

Vom 3-D-Druck bis zum Craft Beer

Auch eine „Newcomer Area“ gibt es auf der Messe. Dort werden Innovationen wie Essen aus dem 3-D-Drucker, das Millimeter für Millimeter entsteht, Erfrischungsgetränke gegen Knoblauchgeruch, Lebensmittelfarbe ausschließlich aus Obst und Gemüse oder To-go-Verpackungen und Einweggeschirr aus Pflanzen vorgestellt. Und auch dem Craft-Beer-Boom wird eine eigenen Area gewidmet. Bereits zum vierten Mal zeigen mehr als 30 Brauer handgemachtes Bier. „Wir haben das ‚Pepper-Pils‘, das wir mit schwarzem Pfeffer und rosa Beeren brauen, oder wir haben den ‚Bourbon Barrel Bock‘, der in Bourbon-, Rum- und Tequilafässern reift“, sagte der 32-jährige Biersommelier Malte Brusemann, Marketing-Leiter einer nach eigenen Angaben mehr als 260 Jahre alten Brauerei. Insgesamt werden bis Dienstag rund 95000 Fachbesucher zur Internorga erwartet.

(Mit dpa)


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