Internationale Handwerksmesse Voss: Wer sich nicht mit Digitalisierung beschäftigt, verliert

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Digitalisierung ist ein Schwerpunktthema. Das schließt auch die virtuelle Wissensvermittlung mit ein, unter anderem mit einem „Craftguide“ Foto: GHMDigitalisierung ist ein Schwerpunktthema. Das schließt auch die virtuelle Wissensvermittlung mit ein, unter anderem mit einem „Craftguide“ Foto: GHM

München. Der Nachwuchs und die Digitalisierung sind zwei Schwerpunktthemen der Internationalen Handwerksmesse (IHM). Für Peter Voss, Präsident der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Betheim, ist das eine Fortführung der langjährigen Imagekampagne des Handwerks.

Etwas ungewohnt und unbeholfen sieht es aus, als ein junges Mädchen auf einem Stuhl sitzend mit einem überdimensionierten Schraubenschlüssel in der Hand in der Luft herumstochert. Ihre Umgebung sieht sie mit der schwarzen, taucherbrillen-ähnliche Brille auf der Nase nicht – ebenso wenig wie der Beobachter den Aufbau, in dem sie den Schraubenschlüssel einsetzt. Die VR-Brille lässt sie in eine virtuelle Welt abtauchen.

Digitalisierung ein Kernthema

Die Digitalisierung ist eines der Schwerpunktthemen der Internationalen Handwerksmesse, die von Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) unter anderem zusammen mit Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, und Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner eröffnet wurde. Im Vordergrund stehen dabei sowohl digitale Prozesse in der Kundenansprache und Fertigung als auch die digitale Wissensvermittlung. „Ein Betrieb, der sich nicht mit der Digitalisierung beschäftigt, wird verlieren“, sagte Peter Voss, Präsident der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim. Digital zu denken und dennoch das traditionelle Handwerk weiterzugeben sei die Herausforderung, so Voss.

Messemotto als Fortführung der Imagekampagne

Rund 1000 Aussteller sind noch bis Mittwoch auf dem Messegelände in München zu Gast. Mit dem Motto „Die nächste Generation. Wir zeigen was kommt.“ liegt neben der Digitalisierung auch ein Fokus auf der Jugend. „Es hilft weder unserer Gesellschaft noch unserer Wirtschaft, wenn alle Jugendlichen meinen, studieren zu müssen“, sagte Zypries bei der Eröffnung Messe. Für Voss liegt im Handwerk schon seit Jahren der Fokus auf der Jugend. Das Messemotto sei entsprechend eine konsequente Fortführung der Imagekampagne. Das zeigt sich für Hauptgeschäftsführer Sven Ruschhaupt auch in den vielen Mitmach-Aktionen. Interaktive Stationen wie die von „UnternehmerTUM MakerSpace“ und „FabLab München e.V.“ sprechen gerade den Nachwuchs an. Auf den Flächen „YoungGeneration“ und „AutoBerufeAktuell“können Jugendliche zudem mehr als 40 Berufe ausprobieren.

Platz für Handwerkliches

Aber auch das Handwerkliche ist auf der Leitmesse vertreten: Das Lebensmittelhandwerk gibt Einblicke in die fachgerechte Zerlegung von Fleisch, eine mobile Schmiede arbeitet vor Ort, ein Bäcker zeigt, dass man auch mit umgebautem Street-Scooter mobil sein kann. Die Individualisierung spielt ebenfalls eine Rolle, so Hauptgeschäftsführer Ruschhaupt. Wie bei German Bakery Stapper. Dort kann der Kunde seinen eigenen Keks designen, der dann gebacken und geliefert wird.

Hinzukommen auf der Messe viele Betriebe, die sich auf der Sonderschau Exempla vorstellen. Da wird ein Hausdach per Hand mit Reet gedeckt, Papier geschöpft oder eine Engelfigur restauriert. Und auch Start-ups sind in München vertreten – die Ideen reichen von einem vom Kunden zusammengestellten Zehentrenner über Schnürtiere aus Filz und Leder bis zu mundgeblasene, aufwendige Neonröhren.

Spagat zwischen digital und persönlich

In diesem Spannungsfeld zwischen Digitalem und dem persönlichen Kontakt zum Kunden liegt für Reiner Möhle, Vizepräsident der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, die Herausforderung. Denn mobile Geräte würden – unter anderem im Bereich Heizung und Sanitär – die Ermittlung von Fehlerquellen vereinfachen. Es dürfe aber keine Anonymität entstehen, betonte Kammerpräsident Peter Voss.

Nach Lösung für Fahrverbote suchen

Zypries sprach bei der Messeeröffnung auch das Thema Diesel-Fahrverbote an, von denen das Handwerk besonders betroffen wäre. „Ich hoffe erstmal, dass es überhaupt keine Diesel-Fahrverbote gibt“, so die Ministerin. „Es muss auf jeden Fall eine Lösung geben, die jenseits der Tatsache liegt, dass die Menschen, insbesondere die Unternehmer, die Handwerker, der Mittelstand, ihre Autos verlieren. Das kann irgendwie nicht sein.“


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