Die „nächste Generation“ im Handwerk „Neue Ansätze zu denken, zu produzieren, zu handeln“

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„Die Handwerker der nächsten Generation müssen die digitalen und technischen Veränderungen beherzigen und sich diese zu eigen machen, damit sie Erfolg haben“, sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Foto: Michael Gründel„Die Handwerker der nächsten Generation müssen die digitalen und technischen Veränderungen beherzigen und sich diese zu eigen machen, damit sie Erfolg haben“, sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Foto: Michael Gründel

München/Osnabrück. „Die nächste Generation. Wir zeigen was kommt.“ Unter diesem Motto steht die Internationale Handwerksmesse in München, die heute, 7. März, beginnt. Ein Interview mit Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) über den Nachwuchs, Digitalisierung und Erfolgsformeln für das Handwerk.

Das Handwerk hat sich kontinuierlich weiterentwickelt, sodass es schon immer eine „neue Generation“ gegeben hat. Warum legt man in diesem Jahr so einen besonderen Fokus auf die aktuelle, neue Generation Handwerker?

Wir leben in Zeiten großer Veränderungen und Umbrüche, besonders durch die Digitalisierung. Das geht auch am Handwerk nicht spurlos vorbei. Es ist zu spüren, dass das Handwerk im Aufbruch ist und die nächste Generation in den Startlöchern steht. Allen ist klar: Die nächste Generation wird nur bestehen können, wenn sie sich diesen veränderten Bedingungen stellt und die neuen technischen Möglichkeiten aufgreift. Die Internationale Handwerksmesse (IHM) zeigt, dass das Handwerk und seine nächste Generation es aktiv angehen und den Sprung ins digitale Zeitalter vollziehen. Die nächste Generation kommt mit neuen Ansätzen zu denken, zu produzieren und zu handeln. Davon gibt die IHM einen Eindruck. So wie seit ein paar Jahren das Smartphone aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken ist, hat neueste Technologie Einzug im Handwerk gehalten. Der Kunde möchte heute vieles Online und digital erledigen, er möchte mitbestimmen und mitdesignen. Moderne Handwerksbetriebe bieten ihm diese Möglichkeiten - sei es bei Terminvereinbarungen, bei Benachrichtigungen, dass der Handwerker auf dem Weg ist, sei es bei der Produktplanung und -fertigung oder durch Einblicke in die Werkstatt und den Entstehungsprozess. Genau das wird auf der Messe zu sehen sein.

Mit der Drohne auf dem Dach, mit dem Tablet in der Werkstatt, in vielen Bereichen ist das Handwerk heute schon digital unterwegs. Ist es nur das digitale Denken, das die aktuelle – oder die gerade heranwachsende – Generation von den „alten Hasen“ unterscheidet?

Die Handwerker der nächsten Generation müssen die digitalen und technischen Veränderungen beherzigen und sich diese zu eigen machen, damit sie Erfolg haben. Sie werden sicherlich mehr digitale Werkzeuge nutzen als die „alten Hasen“. Aber generationenübergreifend hat der handwerkliche Grundsatz weiter Bestand, dass vor allem Qualität und hohes handwerkliches Können zufriedene Kunden bringen. Damit hatten die „alten Hasen“ Erfolg und das ist auch die Erfolgsformel für die nächste Generation – ganz unabhängig davon, ob man analoge oder digitale Werkzeuge nutzt. Ich als „alter Hase“ kann sagen: Wir und der ambitionierte Nachwuchs profitieren bei der Lösungssuche eigentlich immer voneinander. Uns eint die Lust am kreativen Denken und Arbeiten, an der Suche nach der besten Lösung und dem besten Produkt und an der Teamarbeit.

In welchen Branchen sehen Sie die größten Veränderungen auf das Handwerk zukommen?

Die Digitalisierung hält überall Einzug im Handwerk, vom 3D-Druck bis hin zur digitalen Abbildung von Bauprozessen. Einige Bereiche waren schon immer sehr technisch, wie etwa die Orthopädiemechaniker, andere holen jedoch auf und entdecken die digitalen Chancen gerade auch für ihre Gewerke etwa der Bäcker, der über das Internet Backwaren bis nach Übersee vertreibt. Das Handwerk und seine Betriebe profitieren von den Möglichkeiten und nutzen die digitalen Chancen, um sich neue Märkte zu erschließen. Es geht aber auch um eine neue Unternehmenskultur mit smarten Kundenservices, modernsten Produktionstechniken und dem selbstverständlichen Einsatz digitaler Werkzeuge sowie dem vernetzten Arbeiten auch über Branchengrenzen hinweg.

Ein paar Jahre weitergedacht: Worin wird sich die künftige Generation von der heutigen unterscheiden?

Für die künftige Generation wird Technologie, der Umgang damit und das Umgebensein davon noch viel selbstverständlicher sein. Im Handwerk wird noch stärker auf Teamwork bei gleichzeitig hohem Eigenengagement der Mitarbeiter gesetzt werden. Für die nächste Generation im Handwerk wird es darauf ankommen, sich auf die nächste Generation technischer Entwicklungen vorzubereiten, dem Wandel und der Veränderung in den Betrieben Raum zu geben und das alles, ohne dass der Bezug zur Tradition und den handwerklichen Wurzeln verloren geht. Besonders für die nächste Handwerksgeneration im ländlichen Raum hoffe ich, dass sie sich weniger Gedanken um die vor allem digitale Infrastruktur wird machen müssen - als Voraussetzung für effiziente Arbeitsprozesse. Die Datenautobahnen auch in ländlichen Regionen werden dann hoffentlich keine reine Zukunftsmusik mehr sein.


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