Details zum Börsengang Healthineers bringt Siemens bis zu 4,65 Milliarden

Von Mischa Erhardt

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Die Skulptur „The Wings“ des Star-Architekten Daniel Libeskind ist vor der Siemenszentrale in München zu sehen. Foto: dpaDie Skulptur „The Wings“ des Star-Architekten Daniel Libeskind ist vor der Siemenszentrale in München zu sehen. Foto: dpa

Frankfurt. Der bislang größte Börsengang des Jahres nimmt konkrete Formen an. Siemens wird seine Medizintechniksparte Healthineers abspalten und an die Börse bringen. Und damit zwischen vier und fünf Milliarden Euro einnehmen. An die Börse kommt nur ein kleiner Teil der Unternehmensaktien, das Gros der Papiere will Siemens behalten.

Wenn es sehr gut läuft, wird der Börsengang Siemens 4,65 Milliarden Euro in die Kassen spülen. Das wäre dann der Fall, wenn interessierte Investoren die Aktien der Medizintechnik-Sparte Healthineers am oberen Ende der Preisspanne, also bei 31 Euro zeichnen würden. Dann würde das Unternehmen sogar mehr auf die Waage bringen als die RWE-Ökostrom-Tochter Innogy bei ihrem Börsengang vor anderthalb Jahren.

Dennoch bleiben die Zahlen und Fakten, die Siemens nun bekannt gegeben hat, hinter den Erwartungen zurück. Auf einen Börsenwert von bis zu 40 Milliarden Euro hatten Analysten Healthineers bisher geschätzt, die anvisierte Preisspanne lässt einen Börsenwert von maximal 31 Milliarden Euro zu. Geschuldet ist das wahrscheinlich den jüngsten Schwankungen an den Börsen. Die Aktienmärkte hatten in den vergangenen Wochen zeitweise deutlich unter Sorgen gelitten, in Amerika könnten die Zinsen schneller steigen als gedacht. In der vergangenen Woche dann rauschten die Kurse aus Furcht vor einem möglichen Handelskrieg deutlich in den Keller. „Wir sollten uns daran gewöhnen, dass Donald Trump die eine oder andere – wenn auch symbolische Maßnahme – ankündigt, um seine Wähler zufriedenzustellen“, sagt David Kohl von der Schweizer Bank Julius Bär. „Das dürfte dann die Stimmung an den Aktienmärkten belasten“ – ein mögliches Risiko für das Gelingen des Börsenganges am 16. März.

Nur 15 Prozent der Aktien kommen in Streubesitz

Statt bis zu einem Viertel der Aktien unter die Leute zu bringen, will Siemens an diesem Tag nur 15 Prozent der Aktien in den frei handelbaren Streubesitz an die Börse entlassen. Das bedeutet umgekehrt, dass Siemens den Großteil der Aktien und somit auch die Kontrolle über das Unternehmen behalten wird. Ein Nachteil für potenzielle Investoren? Nein, glaubt Christoph Schalast, Wirtschaftsprofessor an der Frankfurt School of Finance and Management. „Im deutschen Aktienrecht haben Minderheiten auch Rechte. Das Durchregieren ist nach einem solchen Börsengang nicht mehr möglich“.

Abgesehen von den aktuellen Schwankungen am Aktienmarkt ist der Zeitpunkt für Börsengänge grundsätzlich gut. Denn nach wie vor flutet die Europäische Zentralbank (EZB) die Finanzmärkte mit Geld: Mit Nullzinsen und dem milliardenschweren Ankauf von Anleihen aus dem Euroraum. Angesichts niedriger Zinsen sucht dieses Geld von Banken und Investoren lukrative Anlagefelder. „Geld ist zurzeit nicht das Problem“, meint denn auch Schalast. „Wir haben so viel Liquidität, dass man für eine Wachstumsstrategie auch Geld aufnehmen kann“.

Stattliche Ergebnismarge

Wachstum ist natürlich oberstes Ziel bei Siemens – und das gilt auch und gerade für die Gesundheitstochter Healthineers. Sie ist der Gewinn-Generator des Konzerns : Im vergangenen Jahr lag der Umsatz des Erlanger Unternehmens bei knapp 14 Milliarden und der Gewinn bei 2,5 Milliarden Euro – eine Ergebnismarge von stattlichen 18,1 Prozent. Und Analysten trauen dem Unternehmen mit seinen 47000 Beschäftigten durchaus noch mehr zu. Von Wachstumsraten beim Nettogewinn um bis zu 10 Prozent ist die Rede für die kommenden zwei Jahre. Auch die Umsätze sollen Experten zu Folge weiter deutlich steigen.

Dabei steht Healthineers mit seinen Produkten und Dienstleistungen in einem hart umkämpften Markt, der rund 50 Milliarden Euro groß ist. Es geht beispielsweise um bildgebende Diagnosegeräte, Laborausrüstung oder auch Operations-Roboter. Digitalisierung lautet auch hier das allgemeine Stichwort, unter dem die Branche und ihre konkreten Produkte sich wandeln. „Wir geben Healthineers die unternehmerische Flexibilität, um den Wandel in der Healthcare-Industrie zu gestalten“, sagte Siemens-Vorstand Michael Sen zur geplanten Aktien-Emission. Will heißen: Die Aktien können in Zukunft als Währung für mögliche Zukäufe fungieren, wenn das Unternehmen in der einen oder anderen Richtung und investieren und wachsen will.

Schulden sollen halbiert werden

Wie es aus dem Konzern heißt, braucht Healthineers derzeit kein Geld. Deswegen landet der Erlös aus dem Börsengang komplett bei der Konzernmutter Siemens. Dafür will Siemens aber die Schulden von Healthineers mit dem Börsengang halbieren. Die Verbindlichkeiten der Medizintechnik-Sparte liegen bei derzeit rund vier Milliarden Euro.

Der Börsengang der Gesundheitstochter ist Teil einer größeren Strategie von Siemens-Chef Joe Kaeser. Der will den riesigen Industriekonzern in eine Art Flottenverband umwandeln. Deren Teile sollen also im Verbund, aber als eigenständige Börsenunternehmen agieren. Das schafft Unternehmen grundsätzlich die Möglichkeit, schneller und unabhängiger auf Veränderungen reagieren zu können.


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