Zulassung läuft Ende Dezember aus Glyphosat: Einige Unkrautvernichter wohl bald vom Markt

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Ein Unkrautvernichtungsmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat. Foto: dpaEin Unkrautvernichtungsmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat. Foto: dpa

Osnabrück. Mehrere Unkrautvernichter mit Glyphosat-Anteil dürften bald vom deutschen Markt verschwinden. Die Zulassung läuft aus. Anträge auf Verlängerung wurden nicht gestellt.

Demnach läuft bei 25 Produkten mit dem umstrittenen Wirkstoff die Zulassung im Dezember aus. Nur für 17 dieser Mittel mit Glyphosat-Anteil sind nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) fristgerecht bis Ende Februar Anträge auf eine Verlängerung eingegangen. Diese werden nun bis Dezember geprüft. Darüber hinaus gibt es nach Angaben eines BVL-Sprechers 12 weitere Mittel, deren Zulassung länger gültig ist. Diese mussten zwar keinen Antrag auf Verlängerung stellen, werden aber nun trotzdem überprüft.

Zulassung gilt bis Ende 2023

Im November hatte die EU die Genehmigung für den Wirkstoff Glyphosat um fünf Jahre verlängert. Möglich gemacht hatte das ein Alleingang des deutschen Landwirtschaftsministers, der ohne Rückkopplung innerhalb der Bundesregierung einer Verlängerung auf europäischer Ebene zustimmen ließ. Nach dem Wirkstoff selbst müssen nun die Zulassungen der Mittel mit Glyphosat überprüft werden. Dabei sollen der Schutz der Anwender und der Umwelt besonders berücksichtigt werden, heißt es beim BVL. Eine erneute Zulassung gilt dann bis zum 15. Dezember 2023.

Umwelt- und Naturschützer machen Glyphosat unter anderem für ein Insektensterben verantwortlich. Zudem vermuten sie eine Krebsgefahr für den Menschen. Staatliche Stellen wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sehen diese Gefahr bei sachgemäßer Anwendung allerdings nicht. BfR-Präsident Andreas Hensel sagte kürzlich im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ : „Der Wirkstoff ist als nicht krebserregend einzustufen. Es gibt keine Untersuchung, die das Gegenteil belegt.“ Seine Behörde ist in die Mittel-Überprüfung ebenso eingebunden wie das Julius-Kühn-Institut und das Umweltbundesamt. (Weiterlesen: Risikoforscher: Darum haben Deutsche so viel Angst vor Glyphosat)

Grafik: dpa

Harald Ebner forderte „massive Einschränkungen zum Schutz der biologischen Vielfalt“ im Genehmigungsprozess. Der Bundestagsabgeordnete der Grünen erinnerte daran, dass die mögliche Große Koalition von Union und SPD einen Glyphosat-Ausstieg im Koalitionsvertrag vereinbart hat. „Wenn davon auch nur ein Fünkchen ernst gemeint ist, darf die neue Bundesregierung das aber nicht länger vertrödeln.“ Ebner bezeichnete es derweil als „gutes Zeichen“, dass weniger glyphosathaltige Mittel zur Zulassungsverlängerung angemeldet worden sind.


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