Bürokratie, Preisdruck und schlechtes Image Landwirte erkranken immer öfter an Burnout und Depressionen

Von dpa

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Burnout, Depressionen und andere psychische Erkrankungen sind auch bei Landwirten immer häufiger festzustellen. Foto: dpaBurnout, Depressionen und andere psychische Erkrankungen sind auch bei Landwirten immer häufiger festzustellen. Foto: dpa

Horstedt/Kiel. Bürokratie, Preisdruck und ein schlechtes Image in der Öffentlichkeit: Burnout, Depressionen und andere psychische Erkrankungen sind auch bei Landwirten immer häufiger festzustellen.

Seit einigen Jahren stehen sie auf Platz zwei der Erwerbsminderungsstatistik der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). Etwa bei jedem sechsten Landwirt waren 2013 nach den Angaben zufolge Burnout, Depression und andere psychische Erkrankungen Ursache für Erwerbsminderungen. Noch häufiger Gründe waren nur Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes.

Die Versicherung will diesem Trend entgegenwirken und frühe Hilfe anbieten. Sie entwickelt gerade ein umfassendes Präventionsangebot zum Thema. (Weiterlesen: Betroffener erzählt: Wie die Krise Bauern in die Depression treibt)

Wie wird geholfen?

In dem Modell werden neben einem klassischen Informationsangebot wie Seminare und Beratungen auch interaktive Elemente wie ein Selbsthilfetool zum Thema Burnout und Depressionen erprobt. „Das Onlinetraining wird aktuell von unseren ersten Versicherten genutzt“, sagte der Leiter Kampagne Gesundheitsangebote be der SVLFG, Michael Holzer. „Auf Rückmeldungen sind wir sehr gespannt.“

Aussagen zur Wirksamkeit sollen mittels einer Studie erhoben werden. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird wissenschaftlich von den Universitäten in Ulm und Erlangen begleitet.

Netzwerk in Schleswig-Holstein

Bereits vor zwei Jahren haben in Schleswig-Holstein verschiedene Akteure ein Netzwerk gegründet, um die verschiedenen Hilfsangebote besser zu verknüpfen und Erfahrungen auszutauschen. Das Netzwerk funktioniert gut“, sagte Hans Friedrichsen, Landwirt im nordfriesischen Horstedt und Ansprechpartner für Betroffene und Angehörige beim Bauernverband, der Deutschen Presse-Agentur.

Wenn Landwirte oder deren Angehörige zu ihm kommen, dann hört er ihnen zu, vermittelt das passende Gesprächsangebot. Manche wollen sich mit ihren Problemen an den Vertrauensmann Tierschutz in der Landwirtschaft, Prof. Edgar Schallenberger, wenden, andere die sozio-ökonomische Beratung der Landwirtschaftskammer in Anspruch nehmen oder einen Gesprächspartner aus der Kirche vermittelt bekommen.

Der ehemalige Landwirt ist Ansprechpartner für psychisch erkrankte Bauern und deren Angehörige. Foto: dpa

Psychologische Extremsituationen bei Landwirten

Das Thema sei immer noch virulent, sagte die Sprecherin des Bauernverbands, Kirsten Hess. Neben der Bürokratie seien oftmals das negative Bild des Landwirts in der Öffentlichkeit und die unsachlichen Argumente Grund für psychische Probleme. Auch Klagen über das Mobbing von Bauernkindern nähmen zu.„Das sehen wir schon mit Sorge“, sagte Hess. Die ehrenamtlichen Ansprechpartner seien gut nachgefragt.

Als Reaktion auf verschiedene Berichte über psychologische Extremsituationen hat das Landwirtschaftsministerium zudem vor gut einem Jahr eine Zielvereinbarung mit der Landwirtschaftskammer geschlossen, um die sozioökonomische Beratung für Landwirte zu stärken. Bis einschließlich 2020 erhält die Kammer 225 000 Euro jährlich zusätzlich, um die Kapazitäten auszubauen und Landwirte in Not zielgerichteter und intensiver beraten zu können. (Weiterlesen: Landwirt als Stigma? Wenn Bauernkinder gemobbt werden)

Gründe für Existenzängste

„Landwirtschaft ist mehr als ein Job“, sagte Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). „Viele Bäuerinnen und Bauern hängen mit Herz und Hof, mit ihrer gesamten Existenz an ihrem Betrieb, der ja oft seit vielen Jahrzehnten von der Familie bewirtschaftet wird“. Preise deckten oft nicht die Arbeitskosten, betriebliches Wachstum bedeute häufig hohe Verschuldung.

An Vertrauensmann Friedrichsen wenden sich pro Jahr etwa zwei bis vier Landwirte, schätzt dieser. „Das Wissen um das Netzwerk hilft“, sagte Friedrichsen


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