Trotz Zinstief Volksbanken in Weser-Ems gut aufgestellt

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Die Genossenschaftsinstitute in der Region Weser-Ems – hier ein Bild aus Bramsche – sind gut aufgestellt. Foto: Marcus AlwesDie Genossenschaftsinstitute in der Region Weser-Ems – hier ein Bild aus Bramsche – sind gut aufgestellt. Foto: Marcus Alwes

Rastede. Die Volks- und Raiffeisenbanken im Nordwesten behaupten sich in einem schwierigen Umfeld. Der Genossenschaftsverband Weser-Ems schließt eine Fusionswelle aus, auch Negativzinsen für Privatanleger soll es nicht geben.

Das Klagen über die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zählt inzwischen zum Standardrepertoire von Bankenvertretern – auch bei den Volks- und Raiffeisenbanken. „Wir fordern von der EZB angesichts der guten konjunkturellen Entwicklung, endlich die Zinswende einzuleiten“, sagte Johannes Freundlieb, Verbandsdirektor des Genossenschaftsverbands Weser-Ems, am Freitag in Rastede.

Dabei machten die 60 Mitgliedsbanken 2017 trotz Zinstief gute Geschäfte. Die Kreditvergabe stieg um 4,5 Prozent auf rund 20,4 Milliarden Euro. Vor allem der Immobilienboom trug dazu bei. Baugewerbe und Häuslebauer nahmen deutlich mehr Darlehen auf, während die Landwirtschaft weniger Kredite nachfragte. Allerdings verdienten die Volksbanken weniger am klassischen Kreditgeschäft: Der Zinsüberschuss sank 2017 um 1,2 Prozent auf 537,3 Millionen Euro, für das laufende Jahr erwartet Freundlieb einen weiteren leichten Rückgang.

Die Kunden legten zugleich mehr Geld beiseite, sodass das Einlagenvolumen um 6Prozent auf 17,9 Milliarden Euro stieg. Vor allem die Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten wuchsen. Allerdings wagen sich im Zinstief auch mehr Menschen an den Kapitalmarkt: Weitere 7,8 Milliarden Euro (plus 8Prozent) legten die Kunden bei der Fondsgesellschaft Union Investment und anderen Unternehmen der Genossenschaftlichen Finanzgruppe an.

Beim Thema Negativzinsen gaben die Verbandsfunktionäre Entwarnung, zumindest für gewöhnliche Privatkunden. Für diese soll es keine Strafzinsen geben. Freundlieb schränkte aber ein: „Negativzinsen werden sich für größere Kunden auf Dauer nicht vermeiden lassen, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern.“

Eine Fusionswelle sieht der Genossenschaftsverband derweil nicht heranrollen. In diesem Jahr stehe nur die Fusion der VR-Bank im Altkreis Bersenbrück und der Volksbank Osnabrücker Nordland an, sagte Freundlieb. Auch für das kommende Jahr sei nur ein Zusammenschluss geplant.

Die Genossenschaftsbanken setzen weiterhin auf eine Präsenz in der Fläche: Die Zahl der Filialen und Selbstbedienungsstellen blieb 2017 nahezu konstant bei 510. Dem Trend, dass Kunden ihre Bankgeschäfte von zu Hause aus online führen, und seltener in die Filialen kommen, können sich auch die Volksbanken nicht entziehen. „Solange es wirtschaftlich noch zu vertreten ist, werden wir in der Fläche präsent bleiben“, sagte Freundlieb. „Wenn es sich irgendwann absolut nicht mehr rechnet und keiner mehr kommt, werden wir sicherlich über die eine oder andere Filialschließung nachdenken müssen.“ Alternativ zur Schließung von Filialen sei auch eine Einschränkung der Öffnungszeiten denkbar.


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