Hersteller in der Pflicht Immer mehr Produktwarnungen: Warum es so viele Rückrufe gibt

Von Lorena Dreusicke

Nickel und Weichmacher erreichen in manchem Spielzeug teils kritische Werte. Dabei sind die Hersteller per Gesetz dazu verpflichtet, die Sicherheit ihrer Produkte zu garantieren. Foto: dpaNickel und Weichmacher erreichen in manchem Spielzeug teils kritische Werte. Dabei sind die Hersteller per Gesetz dazu verpflichtet, die Sicherheit ihrer Produkte zu garantieren. Foto: dpa

Osnabrück. Ob Lebensmittel oder Fahrzeuge – Hersteller sind für die Sicherheit ihrer Produkte verantwortlich. Gefährdet ein Produktfehler den Verbraucher, muss der Hersteller reagieren. Die ultimative Maßnahme ist der Rückruf.

Wer eine Ware auf den Markt bringt, muss dafür sorgen, dass sie Sicherheit und Gesundheit der Nutzer nicht gefährdet. Welche Anforderungen die Ware erfüllen muss, steht im Produktsicherheitsgesetz beziehungsweise im Lebensmittelgesetzbuch. Fehler bei der Herstellung können jedoch dazu führen, dass Produkte vertrieben werden, die potenziell eine Gefahr für die Nutzer und Dritte darstellen. Einige jüngere Beispiele sind erhöhte Kobalt-Werte im Kaffeegeschirr,Brandgefahr bei Notebooks oder Noroviren in tiefgekühlten Himbeeren. In diesen Fällen entschieden sich die Hersteller zum Rückruf mit Erstattung des Kaufpreises.

Welche Optionen hat ein Hersteller, wenn sein Produkt gefährlich ist?

Der Rückruf von verkauften Produkten gilt als ultimative Maßnahme. Erkennt der Hersteller ein Sicherheitsrisiko, kann er zunächst das Produkt korrigieren oder entsprechend kennzeichnen. Ist es schon beim Zwischenhändler, kann er es von dort zurückrufen. Muss ein Produkt nachjustiert werden, kann er das direkt beim Kunden tun. Lässt sich die Gefahr auf diese Weise nicht beseitigen, bleibt nur noch der Rückruf.

In jedem Fall muss der Hersteller die zuständige Marktüberwachungsbehörde über sein mangelhaftes Produkt informieren, sonst droht ihm ein Bußgeld. Produktrückrufe können auch bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) eingereicht werden. Die BAuA führt als zentrale Meldestelle eine aktuelle Datenbank mit allen Produktwarnungen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz veröffentlicht aktuelle Lebenmittelwarnungen.

Wie viele Rückrufe gab es in den vergangenen Jahren?

190 Produktwarnungen veröffentlichte das BAuA-Portal im Jahr 2016. Seit 2012 – mit 101 Meldungen – sind es kontinuierlich mehr geworden. An der Spitze der öffentlich gemachten Produktrückrufe standen 2016 52 Meldungen über Fremdkörper in Lebensmitteln oder gefährliche Verpackungen. Daneben gab es 24 Meldungen über defekte Elektrogeräte, 22 Rückrufe im Bereich Sport- und Freizeitartikel, gefolgt von 17 im Bereich Schutzausrüstung und 14 im Spielzeugbereich.

Warum steigt die Zahl der Rückrufe in Deutschland?

Nach Informationen der BAuA gibt es für die über Jahre gestiegene Zahl an Rückrufen vornehmlich drei Gründe:

  • Die Produktstandards werden mit neuen Gesetzen immer weiter verschärft. Folge: Schon kleine Abweichungen bringen den Hersteller in die Pflicht nachzubessern.
  • Der Verbraucherschutz wird gesellschaftlich als immer wichtiger angesehen. Folge: Die Anforderungen der Käufer an den Gesundheitsschutz der Produkte steigen.
  • Die Unternehmen reagieren auf diese Entwicklungen, indem sie ihren Produktionsprozess strenger überwachen. Folge: Die Wahrscheinlichkeit, defekte Produkte zu entdecken, ist größer.