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19.02.2018, 19:48 Uhr KOMMENTAR

Fachkräftemangel: Warnzeichen zu lange ignoriert


Junge Menschen zieht es für ihre Ausbildung häufig in die „Ferne“. Sie zurückzugewinnen ist gerade für ländliche Regionen eine Herausforderung, sagt die IHK. Foto: dpaJunge Menschen zieht es für ihre Ausbildung häufig in die „Ferne“. Sie zurückzugewinnen ist gerade für ländliche Regionen eine Herausforderung, sagt die IHK. Foto: dpa

Osnabrück. Insbesondere zum Studieren kehren viele junge Menschen ihrer Heimatregion den Rücken – und kommen oft nicht wieder. Vor dem Hintergrund fehlender Fachkräfte ist das für Unternehmen ein Problem. Die IHK hat die Wanderbewegungen insgesamt analysiert.

Das Problem des Fachkräftemangels ist hausgemacht und die Lage prekär. Schon jetzt ächzt der Wirtschaftsstandort Deutschland unter der erdrückenden Last, nicht mehr genug gut qualifizierte Spezialisten zu finden. Bereits heute fehlen rund eine Million Handwerker, Altenpfleger, Erzieher oder Ingenieure. Bis 2030 könnten es laut Prognosen bis zu drei Millionen sein.

Schuld daran trägt nur Deutschland selbst. Zu lange haben Politik und Wirtschaft die Warnzeichen ignoriert: Demografischer Wandel, ein Bildungssystem, das für den späteren Beruf nicht ausreichend vorbereitet, familienunfreundliche Arbeitsbedingungen, niedrige Löhne und wenig gesellschaftliche Anerkennung in zahlreichen Berufssparten sorgen für eklatante Lücken, die nicht gestopft werden können. Und ein stetig steigender Konkurrenzkampf der Regionen um die wenigen Fachkräfte verschärft die Lage noch mehr.

Dass deshalb besonders junge Menschen keine Perspektive für einen Verbleib in mancher Region sehen, verwundert nicht. Den Mangel an Fachkräften mit qualifizierten Zuwanderern auszugleichen ist ein Lösungsansatz, jedoch nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Vielmehr muss die Wirtschaft attraktivere Arbeitsmodelle und die Politik den rechtlichen Rahmen dafür schaffen. Das geht nur mit mehr Investitionen in Schulen, angemessenen Löhnen und Familienfreundlichkeit.


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