Direktbank setzt auf Fintechs ING-Diba übernimmt Kreditvermittler Lendico

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Die ING-Diba, hier die Zentrale in Frankfurt, gehört zur niederländischen ING Groep und unterhält als Direktbank kein eigenes Filialnetz. Foto: dpaDie ING-Diba, hier die Zentrale in Frankfurt, gehört zur niederländischen ING Groep und unterhält als Direktbank kein eigenes Filialnetz. Foto: dpa

Osnabrück. Die Direktbank ING-Diba übernimmt das von Rocket Internet gegründete Berliner Fintech-Unternehmen Lendico. Das bestätigte ein Sprecher der Bank. Die Genehmigung durch das Bundeskartellamt steht noch aus, der Kaufpreis blieb geheim. Lendico vermittelt Kredite zwischen Geldanlegern und kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).

Mit der Übernahme von Lendico baut die ING-Diba ihr Engagement im Fintech-Bereich aus. Bei Fintechs (kurz für „financial technology“) handelt es sich um technologiegetriebene Start-up-Unternehmen in der Finanzbranche. Bereits im vergangenen Jahr ging ING-Diba eine Kooperation mit dem Münchner Online-Vermögensverwalter Scalable Capital ein. Das Angebot wird von den Kunden bisher sehr gut angenommen. Zudem arbeitet das Institut mit dem Versicherungsmanager Clark zusammen sowie mit einer Reihe weiterer Fintechs, darunter das Autokredit-Portal Yareto.

Lendico wurde im Jahr 2013 von Rocket Internet gegründet und ist dem Fintech-Segment Crowdlending zuzuordnen. Die Firma vermittelt Kredite von bis zu 250.000 Euro an kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Lendico startete nie wirklich durch, Rocket Internet vermerkte im Geschäftsbericht 2016 eine „Wertminderungsaufwendung“ in Höhe von 16,6 Millionen Euro. Die aktuellen Eigentümerverhältnisse bei Lendico sind unbekannt. Mitte vergangenen Jahres wurde bekannt, dass Rocket Internet das Eigengewächs an den britischen Hedgefonds Arrowgrass verkaufen wolle. Der Vollzug wurde allerdings nie gemeldet. Nach Angaben eines ING-Diba-Sprechers sind sowohl Arrowgrass als auch Rocket Internet an Lendico beteiligt. Man strebe eine Komplettübernahme an, hieß es weiter.

Erst vor wenigen Wochen hatte der neue ING-Diba-Chef Nick Jue auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt angekündigt, das Firmenkundengeschäft ausbauen zu wollen: „Unsere Ambition ist es, bis 2022 weitere Marktanteile zu gewinnen und zu den fünf größten Firmenkundenbanken zu gehören.“ Aktuell zähle das Institut zu den Top Ten.

Die ING-Diba AG gehört zur niederländischen ING Groep und ist nach eigenen Angaben mit mehr als neun Millionen Kunden die drittgrößte Bank in Deutschland. Als Direktbank unterhält die ING-Diba kein eigenes Filialnetz und kann die Digitalisierung des Geschäfts deshalb konsequent vorantreiben. Banken mit Filialgeschäft müssen Kannibalisierungseffekte fürchten, wenn sie etwa ihre Anlageberatung digitalisieren.


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