Preiskrieg um Thomy, Maggi und Co. Edeka will 160 Nestlé-Produkte austauschen

Von Tobias Fligge

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Die Edeka-Zentrale soll den einzelnen Filialen bereits eine Liste mit Alternativen für bestimmte Nestlé-Produkte geschickt haben. Foto: dpaDie Edeka-Zentrale soll den einzelnen Filialen bereits eine Liste mit Alternativen für bestimmte Nestlé-Produkte geschickt haben. Foto: dpa

Hamburg. Streit um Einkaufskonditionen: Die Edeka-Gruppe und ihre Partner wollen Nestlé-Produkte nicht mehr nachkaufen.

Maggi, Thomy, Nescafé – Edeka-Kunden müssen sich auf einen Engpass bei Nestlé-Produkten einstellen. Hintergrund: Der Streit um Einkaufskonditionen zwischen europäischen Einzelhändlern und dem weltweit größten Nahrungsmittelkonzern eskaliert. Nach einem Bericht der „Lebensmittelzeitung“ verlangt Nestlé von den Händlern unterschiedliche Preise für seine Produkte – und das zum Nachteil von unter anderem Edeka. Die Konsequenz: Die Edeka-Gruppe und ihre Partner bestellen 160 Produkte des Herstellers nicht mehr nach.

Das Unternehmen ist Mitglied der europäischen Allianz „Alidis/Agecore“ mit Partnern aus Frankreich (Intermaché), Spanien (Eroski-Gruppe), Belgien (Colruyt), Italien (Conrad) und der Schweiz (Coop). Laut dem Bericht kritisiert das Bündnis, dass Nestlé die Konkurrenz günstiger beliefere.

In Deutschland sollen die Edeka-Märkte von der Zentrale bereits eine Liste der betroffenen Produkte bekommen haben. Alternativen für Wagner Pizza und Wasser von Vittel seien im Sortiment vorhanden. Doch der Boykott ist nicht der einzige Schlag gegen Nestlé. Produkte wie Thomy-Salatsoßen sollen verramscht werden – um den Marktwert anzugreifen, vermuten Branchenkenner.

Sowohl die Edeka-Zentrale in Hamburg als auch Nestlé Deutschland wollten sich auf Nachfrage am Montag nicht zu dem Bericht äußern. Ein Sprecher von Coop Schweiz, einer der europäischen Edeka-Partner, bestätigte aber gegenüber der Schweizerischen „Handelszeitung“: „Wir haben einen Bestellstopp auf über 150 Artikel veranlasst.“

Schlag gegen Nestlé ist profitorientiert

In den Sozialen Medien wird die Nachricht überwiegend positiv aufgefasst. „Werft die Nestle Produkte doch bitte ganz raus â ethisch wäre es einfach richtig!“, schreibt eine Facebook-Nutzerin auf der Edeka-Seite. „Das ist top. Danke, dass sie anfangen zu handeln“, schreibt eine andere Nutzerin. Andere weisen darauf hin, dass es bei dem Boykott nur um wirtschaftliche Interesse geht und nicht um Moral.

Nestlé steht wegen seiner globalen Dominanz aber auch immer wieder wegen unlauterer Geschäftspraktiken in der Kritik – etwa wegen illegaler Preisabsprachen, der Zerstörung des Regenwaldes und der Privatisierung und Ausbeutung von Trinkwasserquellen.

Weiterlesen: Nestlé wird ausgebremst: Umbau lastet auf dem Gewinn

Dem Handelsblatt zufolge könnte hinter dem Konflikt Agecore-Chef Gianluigi Ferrari stecken. Ferrari ist ein Branchenprofi und war vor seinem Wechsel zu Agecore Manager der konkurrierenden Einkaufsgemeinschaft Cooperic, zu der unter anderem Rewe gehört. In der Branche gibt es dem Bericht zufolge Spekulationen, dass Ferrari über die Konditionen der Konkurrenz deshalb bestens informiert ist. Vor dem Hintergrund scheint der Insider die Konditionen von Edeka und seinen europäischen Partnern verbessern zu wollen.

Der Boykott könnte bei Nestlé Spuren hinterlassen. Nach Angaben der „Lebensmittelzeitung“ macht der Konzern mehr als zehn Prozent seines Europa-Umsatzes über Agecore-Händler wie Edeka. Der Nahrungsmittelkonzern steht zudem wirtschaftlich unter Druck. Eine schwächere Nachfrage hat Nestlé zum Jahresende 2017 stark gebremst. In den USA verkauften sich Süßwaren und Eiscreme schlecht, in Brasilien machte dem Unternehmen der Preisdruck bei Milchprodukten zu schaffen.


Ausgewählte Marken von Nestlé in Deutschland:

Maggi, Vittel, Wagner, Buitoni, Herta, Thomy, Nescafé, Nespresso, Nesquik, Bübchen, Impact, Felix, Lion, KitKat, Smarties, Yes

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