Niedersächsicher Handwerkstag Handwerk: Volle Auftragsbücher, offene Lehrstellen

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Alle Hände voll zu tun haben die Handwerksbetriebe in Niedersachsen. Foto: dpaAlle Hände voll zu tun haben die Handwerksbetriebe in Niedersachsen. Foto: dpa

Hannover. Die Handwerksbetriebe in Niedersachsen haben viel zu tun. „Wie geschmiert“ laufe der Konjunkturmotor, sagte Mike Schneider, Präsident des Niedersächsischen Handwerkstags (NHT) auf der Aschermittwochspressekonferenz in Hannover. Der Fachkräftemangel verschärft sich unterdessen, auch Bürokratie, Steuerlast und Breitbandversorgung treiben die Handwerker um. Politischen Stillstand könne man sich nicht leisten, sagte NHT-Präsident Mike Schneider mit Blick auf die schwierige Regierungsbildung in Berlin.

Über eine schlechte Auftragslage können Niedersachsens Handwerker nicht klagen. Nach einer am Mittwoch vorgestellten Umfrage des Niedersächsischen Handwerkstages (NHT) unter 777 Betrieben bewerten 95 Prozent aktuell ihre Geschäftslage als „gut“ oder „befriedigend“. Die Konjunkturexperten der Handwerkskammern erwarten, dass die 83.000 Betriebe im Land ihren Umsatz in diesem Jahr um 2,5 Prozent auf 55 Milliarden Euro steigern werden.

Die Bürokratie bleibt mit 61 Prozent das meistgenannte Ärgernis der Handwerksbetriebe. NHT-Präsident Schneider begrüßte vor diesem Hintergrund die Zusage der neuen rot-schwarzen Landesregierung, überflüssige Bürokratie abzubauen. „Wir hoffen sehr, dass der angekündigte Bürokratieabbau nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, sondern tatsächlich wirksame Maßnahmen auf den Weg bringt.“

Fachkräftemangel zweitgrößtes Problem

Der Mangel an Arbeitskräften beschäftigt die Betriebe fast ebenso sehr: Mit 59 Prozent Nennungen landet das Thema Fachkräftemangel auf Platz 2 der größten Herausforderungen. Im Jahr 2017 schlossen in Niedersachsen 16.627 junge Menschen einen Ausbildungsvertrag ab, das waren nur 190 mehr als im Vorjahr. „Wir sind froh, dass wir die Zahl überhaupt halten konnten“, sagte Schneider. Zugleich stieg der Anteil der Betriebe, die ihre Lehrstellen nicht komplett besetzen konnten, von 40 auf 60 Prozent. „Die berufliche Bildung muss in Niedersachsen und Deutschland insgesamt aufgewertet werden“, forderte der NHT-Präsident und lobte in dem Zusammenhang die von der Landesregierung geplante Einführung einer Meisterprämie in Höhe von 4000 Euro.

Maßnahmenbündel für Nachwuchsrekrutierung

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, plädierte Schneider für ein umfassendes Maßnahmenbündel, darunter die Einführung einer „umfassenden Berufsorientierung an allen allgemeinbildenden Schulen sowie eine Stärkung des Lehramtes an der Berufsschule. „Im Moment gibt es nur eine 88-prozentige Unterrichtsversorgung an den niedersächsischen Berufsschulen“, klagte Schneider. Die Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern mit guten Bleibechancen gestaltet sich derweil schwierig. NHT-Hauptgeschäftsführerin Hildegard Sander sagte: „Die Sprache ist ein Riesenproblem.“ Schneider merkte an, dass auch die kulturellen Unterschiede nicht zu unterschätzen seien. „Die sind immens.“

Mehr als jeder vierte befragte Handwerksbetrieb (27 Prozent) beklagt die schlechte Versorgung mit schnellen Internetverbindungen. Wenn die Politik nicht energisch handle, werde das Problem gerade im ländlichen Raum schnell an Bedeutung gewinnen, sagte Schneider. „Im Handwerk lassen sich durch die Digitalisierung viele Prozesse optimieren. Hier liegen große Potenziale.“


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