Regionalbank aus Oldenburg OLB steht nach Eignerwechsel vor neuer Ära

Von Manuel Glasfort


Oldenburg. Lange gehörte die OLB zur Allianz, nun bestimmt die Bremer Kreditbank den Kurs der Oldenburger Regionalbank. Mit dem Eigentümerwechsel entsteht eine neue nordwestdeutsche Bankengruppe, die sich gut aufgestellt sieht.

Axel Bartsch und Patrick Tessmann war die Zufriedenheit am Donnerstag anzusehen. Von einem „Tag der Freude und Zuversicht“ sprach BKB-Chef Bartsch, OLB-Chef Tessmann pflichtete bei. Der Grund: Tags zuvor hatte die BKB die Erlaubnis erhalten, dem Versicherungskonzern Allianz seinen Mehrheitsanteil an der OLB für 300 Millionen Euro abzukaufen.

Die BKB will sich allerdings nicht dauerhaft mit ihrem 95,3-Prozent-Anteil an der OLB begnügen, sondern strebt die volle Kontrolle an. Die restlichen, im Streubesitz befindlichen Aktien will sich die Bank auf dem Wege eines sogenannten Squeeze-out (Ausquetschen) einverleiben. Dabei werden die Aktionäre gegen eine Abfindung ausgeschlossen. Darüber muss eine Hauptversammlung entscheiden, die noch einberufen wird. „Wir wollen die hundertprozentige Verantwortung“, betonte BKB-Chef Bartsch. Perspektivisch soll die OLB von der Börse genommen werden. Bartsch ließ durchblicken, dass der Name OLB erhalten bleiben solle.

Mit der Übernahme entsteht unter dem Dach der BKB eine nordwestdeutsche Bankengruppe, der neben der OLB auch das Bremer Bankhaus Neelmeyer angehört. Die BKB-Gruppe ist im Besitz britischer und US-amerikanischer Investoren, darunter der texanische Lehrerpensionsfonds TRS und Apollo Global. Die neue Gruppe kommt nach eigenen Angaben auf eine Bilanzsumme von 18 Milliarden Euro und ein Eigenkapital von mehr als 1 Milliarde Euro.

Sowohl Bartsch als auch OLB-Chef Tessmann strichen die Chancen der Zusammenarbeit heraus. Die Stärken der einzelnen Häuser würden künftig kombiniert. „Es gibt kaum Überlappungen“, sagte Tessmann und gab „eine nachhaltige Steigerung des Ertrags“ als Ziel aus.

Die 1869 gegründete OLB genießt mit 430000 Kunden und 144 Filialen einen hohen Bekanntheitsgrad in der Region Weser-Ems. Sie konzentriert sich auf die Mittelstandsfinanzierung mit den Schwerpunkten Landwirtschaft und erneuerbare Energien. Die BKB dagegen ist laut Bartsch „Firmenkundenbank durch und durch“ und hat sich spezialisiert auf Akquisitionsfinanzierung, Export- und Immobilienfinanzierung. Das Bankhaus Neelmeyer, das erst seit 2016 zur BKB gehört, hat seine Nische in der Vermögensverwaltung für sehr wohlhabende Kunden gefunden – die OLB hat erst vor Kurzem eine entsprechende Abteilung eingerichtet. Tessmann und Bartsch kündigten an, Synergieeffekte prüfen zu wollen. Einsparpotenzial könne es womöglich bei den Zahlungsverkehrseinheiten der Banken geben. Man befinde sich allerdings noch ganz am Anfang des Zusammenwachsens. Ob der OLB, die nach einer Schrumpfkur auf rund 2100 Mitarbeiter kommt, ein erneuter Stellenabbau bevorsteht, blieb am Donnerstag offen.

Der Konsolidierungsdruck in der Bankenbranche ist wegen der Digitalisierung, des Zinstiefs und verschärfter Regulierung hoch. Bartsch verwies auf eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman, die ein dramatisches Bankensterben in Deutschland voraussagt. „Wir werden zu den Überlebenden zählen“, ist sich der BKB-Chef sicher.