Auch Brexit bereitet Sorgen Bankenaufseher mahnen zum Abbau fauler Kredite

Von Brigitte Scholtes

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Gleichzeitig Notenbank und Sitz der Bankenaufsicht: die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Foto: dpaGleichzeitig Notenbank und Sitz der Bankenaufsicht: die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt. Foto: dpa

Frankfurt. Die Banken im Euroraum sind widerstandsfähiger geworden, sie halten mehr und besseres Kapital vor. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht noch Hausaufgaben machen müssen: Sie sollten vielmehr ihre Bilanzen aufräumen, mahnt Danièle Nouy, Präsidentin der EZB- Bankenaufsicht.

200 Milliarden Euro an faulen Krediten haben die Banken im Euroraum in den letzten drei Jahren an faulen Krediten abgebaut. Aber Ende des dritten Quartals 2017 schleppten sie immer noch einen Bestand von 760 Milliarden Euro an Problemkrediten mit. Bankenaufseherin Danièle Nouy mahnte vor diesem Hintergrund: „Banken sollten gute Zeiten nutzen, um solche Kredite zu reduzieren.“ Und sie betonte: „Die guten Zeiten sind jetzt.“

Nouy verwies auf eine Reihe von Nebenwirkungen: So drücken faule Kredite die Gewinne und hemmen das Neugeschäft. Sie aufzuräumen sei das eine, die Bilanzen sauber zu halten das andere, sagte Nouy. Deshalb haben die EZB-Aufseher, die seit November 2014 die größten Banken im Euroraum überwachen, einen Kriterienkatalog aufgestellt, nach dem die Institute für neue Problemkredite Rückstellungen bilden sollen. Dieser Katalog sollte schon zu Jahresbeginn in Kraft treten, dagegen aber hatten vor allem die italienischen Banken heftig protestiert.

Auf die italienischen Banken soll etwa ein Viertel der faulen Kredite entfallen. Das bestätigen die Bankenaufseher zwar nicht, zu einzelnen Instituten äußern sie sich ohnehin nicht. Allerdings mahnt EZB-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger, auch die Regierungen müssten dafür sorgen, dass die Aufsicht effektiv arbeiten und sich durchsetzen könne: „In einigen Ländern sind diese Instrumente gut ausgebildet, und wir können sehr klar dafür sorgen, dass Banken nicht zu viel Konzentrationsrisiken eingehen. In anderen Ländern sind unsere Instrumente sehr viel schwächer, und wir können nicht so aktiv handeln.“

Diese Kritik dürfte eher nicht für Deutschland gelten. Die deutschen Banken hätten wegen der guten Wirtschaftslage auch kaum Probleme mit faulen Krediten, sagt die Vizepräsidentin der EZB-Bankenaufsicht. Doch es gehe nicht nur um Problemkredite, auch andere Fragestellungen seien wichtig, etwa die richtigen Informationstechniken: „Stimmt die IT? Habe ich das richtige Risikomanagement? Wie geht es meiner Profitabilität, wie geht es meiner Ertragskraft? Muss ich am Geschäftsmodell noch etwas ändern? Muss ich Kosten reduzieren?“, zählt Lautenschläger auf.

Europas Bankenaufseher appellierten außerdem an umzugswillige Auslandsbanken, ihre Brexit-Pläne vorzulegen. „Jede Bank, die ihren Sitz aus Großbritannien in die Eurozone verlagern will, sollte ihren Lizenzantrag eigentlich bereits gestellt haben“, betonte Lautenschläger. „Aber wenn sie das noch nicht getan hat, sollte sie das bis spätestens Ende des zweiten Quartals 2018 tun.“

Der geplante EU-Austritt Großbritanniens (Brexit) stellt in London angesiedelte Banken vor ein Problem: Sie benötigen für Dienstleistungen wie das Einlagen- und Kreditgeschäft in der Europäischen Union Töchter mit Sitz in einem EU-Staat. Die Zwei-Jahres-Frist für die Verhandlungen zwischen der britischen Regierung und Brüssel über die Brexit-Modalitäten läuft bis März 2019. Auch der Finanzplatz Frankfurt will vom Umzug von Bankern aus London an den Main profitieren.

Maßgebliche Behörde für die notwendige Bankenlizenz ist die Europäische Zentralbank, die seit November 2014 die größten Bankengruppen im Euroraum direkt beaufsichtigt. Nach Angaben der Aufseher haben sich bis jetzt acht Banken um eine solche Lizenz beworben, vier weitere Banken planen demnach, ihre Aktivitäten im Euroraum signifikant auszuweiten.

Die Banken im Euroraum leiden derweil auch unter der Nullzinspolitik im Euroraum. Lautenschläger ist nicht nur Vizepräsidentin der EZB-Bankenaufsicht, sondern als Direktoriumsmitglied der EZB entscheidet sie auch mit über die Geldpolitik. Sie plädiert für einen Ausstieg aus den Wertpapierkäufen der EZB schon im laufenden Jahr. „Meines Erachtens könnten wir auch im September schon beschließen, dass wir aus den Nettokäufen aussteigen“, sagte sie am Rande des Pressegesprächs. (Mit dpa)


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