Bis zu 90 Prozent Marktanteil Kartellamt warnt: Vier Konzerne dominieren Lebensmittelhandel

Von Nina Kallmeier

Die Branche konzentriert sich weiter: Auf die vier Konzerne Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe entfällt laut Kartellamt ein Marktanteil von bis zu 90 Prozent. Foto: dpaDie Branche konzentriert sich weiter: Auf die vier Konzerne Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe entfällt laut Kartellamt ein Marktanteil von bis zu 90 Prozent. Foto: dpa

Osnabrück. Auf einen Marktanteil von bis zu 90 Prozent kommen die vier großen Konzerne im Lebensmitteleinzelhandel mittlerweile. Damit hat die Konzentration in der Branche noch einmal zugenommen. Für mittelständische Unternehmen wird es schwer.

Erst im vergangenen Jahr ist nach langem Hin und Her das rot-gelbe Logo der Kaiser’s Tengelmann Filialen einem blauen E auf gelbem Grund gewichen. Mit dem Kauf der Nummer vier im Lebensmittelhandel in Deutschland hat die Edeka-Gruppe ihre Marktpräsenz noch einmal verstärkt. Damit nicht genug: „Vier Konzerne – Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit den Lidl- und Kauflandmärkten – teilen sich rund 85 bis 90 Prozent des Marktes in Deutschland“, sagte Kartellamtschef Andreas Mundt im Gespräch mit unserer Redaktion. „Das ist eine ausgesprochen hohe Marktkonzentration, die sowohl gegenüber den Verbrauchern als auch gegenüber den Lieferanten negative Auswirkungen haben kann.“

Regionale Unterschiede

Doch nicht überall ist die Marktpräsenz der großen Vier gleich ausgeprägt. Entsprechend schwierig sei es festzumachen, wann ein großer Player wie die Edeka-Gruppe eine bedenkliche Marktgröße erreicht hat. „Solche Fragen lassen sich nicht einfach mit einer Prozentzahl beantworten“, betonte Mundt. Laut dem Forschungs- und Bildungsinstituts für den Handel, dem EHI Retail Institute, ist die Gesamtzahl der Lebensmittelgeschäfte auf 37682 zurückgegangen. Doch nicht nur die Anzahl der Filialen, auch Absatzalternativen für Lieferanten spielen für die Einschätzung des Bundeskartellamts eine Rolle. „Wir haben gerade in einem Verfahren gegen Edeka vom Bundesgerichtshof bestätigt bekommen, dass Hersteller in einem Abhängigkeitsverhältnis zu den großen Filialisten stehen können“, so der Kartellamtschef. Die Nummer ein im deutschen Lebensmittelhandel hatte 2008 rund 2300 Plus-Filialen von Konkurrent Tengelmann übernommen und anschließend eine Anpassung der Edeka-Konditionen an einzelne, günstigere Konditionsbestandteile von Plus gefordert.

Mittelstand im Nachteil

Für Mittelständler wird es in der Branche, die 2016 nach Angaben des EHI im organisierten Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland einen Umsatz von 153,10 Milliarden Euro erzielt hat, schwierig. „Mittelständler haben bei der Beschaffung und vor allem bei den Einkaufspreisen im Vergleich zu den großen Vier Nachteile“, so Mundt. „In begrenztem Maße könnten Einkaufsgemeinschaften einen Ausgleich schaffen. „Dennoch glaube ich, dass auch Mittelständler nach wie vor Chancen haben, in Regionen oder durch bestimmte Spezialisierungen zu bestehen.“

Fokus auf Nordwesten

Über zusätzliche Vertriebswege der selbstständigen Einzelhändler will sich auch die Bünting-Gruppe stärken. „Die Bünting Großhandel und Service GmbH & Co. KG betreut und beliefert unsere rund 250 Einzelhändler, die unter den Vertriebsmarken Markant, nah & frisch und Ihre Kette firmieren“, erklärte Geschäftsführer Markus Buntz. Das mittelständische Unternehmen – laut Umsatz-Ranking (inklusive non-food) der LZ Retailytics (dfv Mediengruppe) mit 0,6 Prozent Marktanteil die Nummer 16 im Lebensmittelhandel in Deutschland – nimmt die Herausforderung an. Das Vertriebsgebiet im stationären Einzelhandel erstreckt sich im Nordwesten Deutschlands zwischen Nordseeküste, dem Münsterland, holländischer Grenze und Ostwestfalen. „Das Kerngebiet unseres Filialnetzes besteht aus den Marken famila, Combi, Jibi und den Marken unserer selbstständigen Einzelhändler Markant, nah & frisch und Ihre Kette“, so Buntz. Vor drei Jahren hatte die Unternehmensgruppe zuletzt mit der Übernahme der Jibi-Märkte das Vertriebsgebiet erweitert. Die Konsolidierung ist im vergangenen Jahr abgeschlossen worden, denn aktuell schreibt der Konzern noch rote Zahlen. Das soll sich in diesem Jahr wieder ändern.

Systemwettbewerb zwischen Vollsortimentern und Discountern

Für Buntz herrscht vor allem ein Systemwettbewerb zwischen Vollsortimentern und Discountern. Allein letzterer machte laut EHI Retail Institute 2016 einen Umsatz in Höhe von 69,80 Milliarden Euro aus. „In dem Wettbewerbsumfeld positioniert sich Bünting als regionales Unternehmen, und als ein solches favorisieren wir regionale Bezugswege“, erklärt Buntz. Ein Aspekt, um sich abzuheben. Vor allem bei Fleisch, Frischwaren, Obst und Gemüse sieht Buntz einen Wettbewerbsvorteil. Und auch durch den Bereich E-Commerce und Digitalisierung will sich das Unternehmen absetzen. Unter anderem mit einem intelligenten Warenmanagementsystem, das zum Beispiel anhand der Wettervorhersage mehr oder weniger Bier für einen Markt bestellt.

E-Commerce

Bislang spielt das Onlinegeschäft mit Lebensmitteln noch eine untergeordnete Rolle. Lediglich einen Anteil von rund einem Prozent hatte der Bereich 2016 am Onlinegeschäft des Einzelhandels – bei einem jährlichen Wachstum von zuletzt 21,2 Prozent, so der Online-Monitor des Instituts für Handelsforschung IFH in Köln. „Aber wir sehen auch, dass zum Beispiel Amazon hier zunehmend aktiv ist. Auch die etablierten Ketten haben ihre Onlineportale“, sagte Andreas Mundt. Laut LZ Retailytics ist der US-amerikanische Tech-Riese bereits die Nummer sechs im Lebensmittelhandel in Deutschland – bei einem Marktanteil von 3,9 Prozent und deutlich gestiegenen Umsätzen. „Es ist eine spannende Entwicklung, ob der Onlinehandel sich bei Lebensmitteln ähnlich durchsetzt wie bei anderen Konsumgütern.“

An der Ausweitung des Geschäftsfelds will auch Bünting teilhaben – wenn es in die Phase der Neuverteilung der zusätzlichen Umsätze geht. „Zusätzlich zur bundesweiten Plattform MyTime sind Online-Shops von Combi und Famila geplant“, so Buntz. Noch in diesem Jahr.