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05.02.2018, 17:45 Uhr KOMMENTAR

Abwasserkosten könnten drastisch steigen: Wahre Augenöffner

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

In hohem Bogen wird auf einem Feld Gülle verrieselt. Reichlich Gülle auf Deutschlands Äckern gilt als einer der Gründe, weshalb Abwässer nitratbelastet sind. Die Reinigung wird immer aufwendiger und teurer. Foto: dpaIn hohem Bogen wird auf einem Feld Gülle verrieselt. Reichlich Gülle auf Deutschlands Äckern gilt als einer der Gründe, weshalb Abwässer nitratbelastet sind. Die Reinigung wird immer aufwendiger und teurer. Foto: dpa

Osnabrück. Wasserverbände warnen davor, dass die Kosten für die Abwasser-Reinigung schon bald drastisch steigen könnten. Sie fordern, die Kosten wieder mehr nach dem Verursacherprinzip zu verteilen. Klingt gut. Nur wer ist denn wirklich schuld am Schmutz im Wasser?

Ach, das wäre schön: Jeder, der Wasser verunreinigt, kommt dafür auf, die Schmutz- und Schadstoffe wieder herauszufiltern. Dieses sogenannte Verursacherprinzip wirkt gerecht und sinnvoll. Doch bei der Frage, wer genau dafür verantwortlich ist, dass es immer aufwendigere Maßnahmen braucht, um unser Abwasser wieder aufzubereiten, wird es knifflig. Beispiel Mikroplastik: Sind die Hersteller von Cremes und Co. die Schuldigen? Oder die, die diese Produkte kaufen und benutzen? Beispiel Nitrat: Sind die Bauern schuld, die Massentierhaltung betreiben? Oder die Fleisch- und Käsefreunde, die das mit ihrem Konsumverhalten befeuern? Beispiel Medikamentenrückstände: Ist die Pharmaindustrie verantwortlich? Der Arzt, der die Mittel verschreibt? Oder der Patient, der Tabletten über die Toilette entsorgt?

Das Problem ist komplex. Und doch lässt es sich auf eine Formel bringen: Unser moderner Lebensstil sorgt dafür, dass all der Dreck im Wasser landet. Daher ist es auch richtig, die steigenden Kosten für die immer komplizierter werdende Reinigung auf alle umzulegen.

Die preiswerteste Wasserreinhaltemaßnahme besteht jedoch darin, das Wasser möglichst gar nicht erst zu verdrecken. Das ist zwar eine Binsenweisheit, doch sie ist offenbar noch nicht bei allen angekommen. Hier könnten die saftigen Abwasserrechnungen den Verbrauchern die Augen öffnen.


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