Foodwatch fordert Offenlegung Nudeln, Kuchen und Co.: Fipronil in jeder zehnten Probe

Von Dirk Fisser

Massenhaft Eier wurden in der Fipronil-Krise vernichtet. Einige belastete Eier wurden aber offensichtlich weiterverarbeitet. Foto: dpaMassenhaft Eier wurden in der Fipronil-Krise vernichtet. Einige belastete Eier wurden aber offensichtlich weiterverarbeitet. Foto: dpa

Osnabrück. Die Behörden in Deutschland haben in den vergangenen Monaten Hunderte Ei-haltige Lebensmittel auf Fipronil untersucht. Bei jeder zehnten Probe fanden sie Rückstände des Insektizids. Das ergab eine Umfrage unserer Redaktion unter allen 16 Bundesländern. Foodwatch fordert die Offenlegung der Ergebnisse.

Demnach war das Ergebnis bei annähernd 1050 Proben in etwa 110 Fällen positiv. Rund 30mal lag die ermittelte Fipronil-Menge über dem sogenannten Rückstandshöchstgehalt von 0,005 Milligramm pro Kilogramm. Die Ware durfte also nicht mehr verkauft werden. Öffentliche Rückrufe gab es aber kaum.

Bei den betroffenen Produkten handelte es sich beispielsweise um Eier-Liköre, Backware oder Eier-Nudeln. Eine akute Gesundheitsgefährdung für Verbraucher bestand nach Einschätzung der deutschen Behörden angesichts der Fipronil-Messergebnisse nicht. (Weiterlesen: Wie gefährlich ist Fipronil? Sind Lebensmittel belastet?)

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch forderte am Freitag die Offenlegung sämtlicher Kontrollergebnisse. Die Bundesregierung müsse das gesetzlich klarstellen, so Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. „Die Zeiten von Staatsgeheimnissen und Staatsgelübden in der Lebensmittelüberwachung muss ein für alle Mal vorbei sein.“

77 Millionen Eier in Belgien vernichtet

Von der Fipronil-Krise waren vor allem die Niederlande und Belgien betroffen. Der belgische Landwirtschaftsminister erklärte kürzlich, dass allein in seinem Land mehr als 77 Millionen Eier wegen einer möglichen Belastung vernichtet werden mussten und fast zwei Millionen Legehennen vorzeitig getötet wurden. 100 belgische Ställe waren betroffen, in den Niederlanden sogar bis zu 250. (Weiterlesen: Fipronil-Skandal: So kam das Gift in die Ställe)

In Niedersachsen waren es fünf Betriebe – drei Legehennenhalter in der Grafschaft Bentheim und je einer in den Landkreisen Emsland und Leer. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hatte kürzlich sämtliche Ermittlungsverfahren gegen die Landwirte eingestellt. „Es haben sich in dem Verfahren keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die Beschuldigten gewusst haben oder auch nur hätten wissen müssen, dass dem Reinigungsmittel Dega 16 das Insektizid Fipronil beigemischt worden war“, teilte eine Sprecherin unserer Redaktion mit.

Eine niederländische Spezialfirma hatte das Gift in den Ställen versprüht. So sollte die Ausbreitung von Läusen unterbunden werden. Fipronil ist in der Lebensmittelproduktion aber verboten. Bei der Behandlung von Haustieren ist das Anti-Läuse-Gift erlaubt.

So viele Fipronil-belastete Eier kann man essen. Grafik: dpa

Zu Jahresbeginn waren die Eierpreise in vielen Supermärkten leicht gestiegen. Hintergrund sind die Engpässe nach dem Fipronil-Skandal. Deutschland kann seinen Eier-Bedarf nur zu etwa 70 Prozent abdecken, der Rest wird importiert – überwiegend aus den Niederlanden. (Weiterlesen: Eier werden im Jahr 2018 um rund 20 Prozent teurer)