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31.01.2018, 17:55 Uhr BEDROHTES WERK GÖRLITZ

Siemens: Kaesers Kehrtwende

Kommentar von Manuel Glasfort

Siemens-Chef Joe Kaeser (rechts) hat sich viel Kritik eingehandelt mit den Kürzungsplänen in der Kraftwerkssparte, vor allem mit dem angekündigten Aus für das Werk Görlitz. Foto: dpaSiemens-Chef Joe Kaeser (rechts) hat sich viel Kritik eingehandelt mit den Kürzungsplänen in der Kraftwerkssparte, vor allem mit dem angekündigten Aus für das Werk Görlitz. Foto: dpa

Osnabrück. Kann der Siemens-Standort Görlitz doch erhalten werden? Konzernchef Joe Kaeser macht den Mitarbeitern Hoffnung. Doch die Sache hat ein Geschmäckle.

Nun geht es plötzlich doch: Nachdem Siemens-Chef Joe Kaeser im November das Aus für das Gasturbinenwerk Görlitz im Zuge eines weltweiten Stellenabbaus verkündet hatte, gibt es jetzt einen Hoffnungsschimmer für die Fabrik in der Oberlausitz. Die 600 bis 700 Jobs könnten laut Kaeser erhalten bleiben – falls Bund und Land sich an einem „Industriekonzept Oberlausitz“ beteiligten.

Kaesers Kehrtwende hatte sich bereits beim Weltwirtschaftsforum in Davos angedeutet. Sie überrascht, denn die jüngsten Quartalszahlen untermauern leider die düsteren Prognosen für die Kraftwerkssparte. Die Umsätze sind um 20 Prozent eingebrochen, der Gewinn sogar um fast die Hälfte. Und tatsächlich handelt es sich wohl nicht um eine vorübergehende Schwächephase, sondern um einen langfristigen Trend.

Wenn die Görlitzer wieder Zuversicht schöpfen können, haben sie es ihrer Beharrlichkeit zu verdanken. Mit dem Fahrrad hatten sich Dutzende von ihnen aus Görlitz auf den Weg zur Hauptversammlung nach München gemacht, um dem beeindruckten Konzernchef ihr „Zukunftspapier“ zu überreichen.

Für die strukturschwache Region ist zu hoffen, dass Kaesers Plan sich nicht als billige PR-Nummer entpuppt. Auch müssen Land und Bund mithelfen, das „Industriekonzept“ Oberlausitz“ Wirklichkeit werden zu lassen.


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