Messe Jagd & Hund beginnt Grünröcke ohne Nachwuchssorgen

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Dortmund. Jagen liegt im Trend. Das wird auch auf der Messe Jagd & Hund deutlich, die gestern in Dortmund eröffnet wurde. Beim Rundgang wird deutlich: Nachwuchssorgen haben die Grünröcke nicht.

Über mangelndes Interesse kann sich Heinz Deckers nicht beklagen. Neugierige belagern seinen Messestand auf der Jagd & Hund in Dortmund und löchern den 80-Jährigen unentwegt mit Fragen. Das hat mit seinem gefiederten Begleiter zu tun: Ares, ein männlicher Steinadler, der neben Deckers auf einem Pflock sitzt und sich von dem Trubel nicht aus der Ruhe bringen lässt. Franz Deckers und seine Frau Mathilde sind Falkner und mit ihrem Verband, dem Orden Deutscher Falkoniere, seit inzwischen 25 Jahren auf der Jagd & Hund. „Es hat vielleicht auch etwas Mystisches an sich, mit diesen Tieren zu jagen“, erklärt Deckers die Faszination seines Hobbys.

Falknershows mit Flugvorführungen gehören zum Rahmenprogramm der Messe, ebenso wie Jagdmodenschauen und die Deutsche Meisterschaft der Hirschrufer. Seit ihrer Premiere im Jahr 1982 hat sich die Jagd & Hund nach Veranstalterangaben zu Europas größter Jagdmesse entwickelt. Auch in diesem Jahr erwarten die Verantwortlichen wieder 80000 Besucher. Schon beim gestrigen Auftakt herrscht zwischen den Ständen der rund 800 Aussteller reges Treiben, manche Besucher haben ihre Hunde dabei. Entgegen dem Klischee sind es längst nicht nur Männer mittleren und fortgeschrittenen Alters, die sich ihren Weg durch die Westfalenhallen bahnen. Auch jüngere Jäger und viele Frauen haben den Weg nach Dortmund auf sich genommen. Schließlich bieten die Händler so ziemlich alles, was das Waidmannsherz begehrt: von Lodenmänteln über Ferngläser, Hochsitze und Messer bis hin zu Geweihleuchten und – natürlich – Jagdwaffen.

Dank der Angebotsvielfalt ist der Einzugsradius der Messe beträchtlich. Etwa jeder fünfte Messegast legt nach Veranstalterangaben mehr als 300 Kilometer zurück. Auch Ulrike Koch und Tino Pierdel haben eine weite Anreise hinter sich. Das Paar ist aus Südthüringen für einen Messetag nach Dortmund gekommen. „Es wird viel geboten“, findet Koch. Die beiden begutachten am Stand der Firma Sauer Repetiergewehre. Die 36-Jährige hat erst seit einem halben Jahr ihren Jagdschein. Was sie an dem Hobby fasziniert? „Das Wild beobachten zu können. Sehen zu können, wie sich das Tier verhält, wenn irgendetwas passiert. Das finde ich sehr interessant“, erzählt Koch. Die Jungjägerin weiß, dass manche Bürger der Jagd kritisch oder ablehnend gegenüberstehen. „Viele wissen nicht, dass Jagd mit Hege und Pflege zu tun hat. Stattdessen glauben sie, dass es nur um das Abschießen geht.“ Wenn Koch auf Vorbehalte trifft, versucht sie, ihr Gegenüber aufzuklären und für ein besseres Verständnis zu sorgen.

So wie Koch entdecken immer mehr Frauen das männerdominierte Waidwerk für sich, wie Hartwig Fischer, Präsident des Deutschen Jagdverbands (DJV), berichtet. „Wir stellen fest, dass die Zahl der Jägerinnen deutlich steigt.“ Unter den Teilnehmern der Jägerprüfung seien inzwischen mehr als 20 Prozent Frauen.

Überhaupt haben die deutschen Jäger keine Nachwuchssorgen. „Die Jägerprüfungslehrgänge sind hervorragend besucht“, sagt der DJV-Präsident. Die Zahl der Jagdscheininhaber lag nach Angaben des Verbands zuletzt auf einem Allzeithoch von 384000. Im Jahr 1992 waren es noch rund 320000 Grünröcke.

„Das grundsätzliche Problem ist, dass durch die Urbanisierung das Verständnis für die Natur durch das direkte Erleben immer geringer wird“, hält Fischer fest. Aber ein anderer Trend gibt ihm Hoffnung: „Es zeigt sich eben auch, dass gerade aus den städtischen Räumen viele, um wieder Natur zu erleben, Jägerprüfungslehrgänge mitmachen.“

Die Jagd & Hund läuft noch bis einschließlich Sonntag, 4. Februar, in den Westfalenhallen Dortmund.


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