Ein Bild von Karsten Grosser
30.01.2018, 16:03 Uhr SPIELEN SOLL (WIEDER) SPAß MACHEN

Warum ein Trend der Spielwarenmesse Nürnberg gar kein Trend ist

Kommentar von Karsten Grosser

Spielen einfach nur zum Spaß. Ja, wozu denn sonst? Hier spielen auf der Neuheitenschau der Nürnberger Spielwarenmesse zwei Kinder das Spiel „Polar Smash“. Die weltweit größte Spielwarenmesse dauert vom 31. Januar bis 4. Februar 2018. Foto: dpaSpielen einfach nur zum Spaß. Ja, wozu denn sonst? Hier spielen auf der Neuheitenschau der Nürnberger Spielwarenmesse zwei Kinder das Spiel „Polar Smash“. Die weltweit größte Spielwarenmesse dauert vom 31. Januar bis 4. Februar 2018. Foto: dpa

Osnabrück. Naturverbundenheit, Teamgeist und der Spaßfaktor beim Spielen sind die Trends auf der Nürnberger Spielwarenmesse 2018 – meinen zumindest die Messebetreiber. Spaßfaktor? Ja, hat Spielen denn früher keinen Spaß gemacht? Ein Kommentar.

Für den Spielwarenmarkt war 2017 ein enttäuschendes Jahr. Die erfolgsverwöhnten Dänen von Lego mussten Stellen abbauen, die Kette Toys R Us meldete in den USA Insolvenz an. Mit Folgen auch für Deutschland: Der Umsatz hierzulande stagnierte nach vorläufigen Zahlen. Bestenfalls. Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg wollen die Hersteller nun zeigen, mit welchen Neuheiten die Rückkehr auf den Wachstumskurs gelingen soll. Eines der Trendthemen heißt: „Just for Fun“.

„Rettet das Spiel!“

Wie bitte? Spielen soll Spaß machen? Natürlich! Aber das ist kein Trend, sondern wohnt dem Spielen von Natur aus inne. Warum betont die Branche das nun? Weil sie merkt, dass das an sich zweckfreie Spielen in den vergangenen Jahren immer mehr mit erzieherisch-lehrreichen Zielen überfrachtet wurde? Lernspiele hier, Wissenserwerb dort. Philosoph Christoph Quarch und Hirnforscher Gerald Hüther sahen sich zuletzt sogar veranlasst, ein Buch mit dem Titel „Rettet das Spiel!“ zu veröffentlichen. Wenngleich sie mit ihrem Aufruf nicht nur das kindliche Spiel meinten, sondern allgemein vor einer Verkümmerung der Lebensfreude warnten in einer Welt, die von Wachstumswahn, Effizienzdenken und Kommerzialisierung bestimmt wird.

Eine zurückgewonnene Zielgruppe

Doch Hoffnung ist in Sicht. Als eines der wenigen Segmente legten Gesellschaftsspiele im vergangenen Jahr wiederholt zu. Die Spieleverlage stellten unter anderem fest, dass sie mit den 15- bis 30-Jährigen eine Zielgruppe zunehmend zurückgewinnen, die schon verloren schien. Und damit wächst vielleicht eine neue Elterngeneration heran, die bei der Auswahl des Spielzeugs nicht mehr den Pisa-Schock vor Augen hat, sondern den Spaß der eigenen Kinder. Schön!


Der Artikel zum Kommentar