Vom Fahrrad zum autonomen Fahren Autohaus Weitkamp setzt auf Diversifikation

Von Christoph Lützenkirchen

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Deutlich breiter aufgestellt hat Jan Weitkamp das gleichnamige Autohaus.Foto: Christoph LützenkirchenDeutlich breiter aufgestellt hat Jan Weitkamp das gleichnamige Autohaus.Foto: Christoph Lützenkirchen

Osnabrück. Mittelstand kommt nicht von „stehen geblieben“. Jedenfalls soweit es Jan Weitkamp und seine Unternehmensgruppe betrifft. Der 43-Jährige führt in dritter Generation das Mercedes-Autohaus Weitkamp in Stemwede-Levern. Sein Motto: Beständige Erneuerung mit Blick auf den Kunden.

„Ich sehe mich heute vor ähnliche Aufgaben gestellt, wie mein Großvater, der den Weg von der Nähmaschine über das Fahrrad bis hin zum vierrädrigen Kraftfahrzeug bewältigt hat“, sagt Weitkamp: „Heute geht es um die Elektromobilität und das autonome Fahren, die Entwicklung ist ähnlich schnell.“ Sein Vater Horst Weitkamp, der ihn bis heute in der Geschäftsführung des Unternehmens unterstützt, hatte das Erbe des Großvaters erfolgreich weiter entwickelt.

Seine Entscheidung war es, sich an den Daimler-Benz Konzern mit den zugehörigen Marken zu binden. Zudem gehörte der heute 76-jährige zu den ersten, die den Mut hatten aktiv auf die Mercedes-Tochter Smart zu setzen. Mit Erfolg: „Unser Smart-Center in Lübbecke ist heute eines der größten in Deutschland“, so Weitkamp: „Wir versorgen dort 3500 Kunden und verkaufen jährlich 600 neue und gebrauchte Fahrzeuge.“

Mühe, Kunden zu locken

Seit 2003 übernahm Jan Weitkamp nach und nach die Geschäftsführung des Familienunternehmens von seinem Vater. Er begann, es nach eigenen Vorstellungen weiterzuentwickeln. „Ich habe mich gefragt, wie ich die Abhängigkeit des Unternehmens und auch die meiner Familie von einem Hersteller, einer Industrie und einem lokalen Markt verringern kann“, erinnert sich der Unternehmer. Das Wachstum durch Zukäufe innerhalb der Branche war für ihn keine Alternative. „Damit hätte ich riskiert, unsere Kernkompetenz zu verlieren. Das ist die Nähe zu unseren Kunden. Die hat uns hier auf dem Dorf den Erfolg gebracht. Der Standort hat zwar Nachteile bei der Verkehrsanbindung, er zwingt uns aber dazu, uns besonders viel Mühe zu geben, um unsere Kunden zu uns zu locken.“

Stattdessen gründete er 2014 mit Partnern – zwei Spediteuren und einer anderen Mercedes-Benz Vertretung – das Unternehmen OsnaTruck Nutzfahrzeugservice in Osnabrück. Das Gemeinschaftsunternehmen ist ein Novum: Je zwei Konkurrenten haben sich zusammen gefunden. Was alle vier verbindet ist das Ziel, bestmöglichen Service für Nutzfahrzeuge anzubieten, vom Transporter bis hin zum großen Schwerlastfahrzeug. Jan Weitkamp hebt die zentrale Lage des OsnaTruck-Geländes direkt am Lotter Kreuz hervor. Im Nutzfahrzeuggeschäft komme es entscheidend auf Flexibilität an, erklärt er: „Der Service soll durchgeführt werden, wenn die Fahrzeuge stehen; das bedeutet von Freitagabend bis Sonntagabend.“

85 Mitarbeiter

Als weitere Schritte zur Diversifizierung des Geschäfts gründete der Unternehmer eine eigene Autovermietung und übernahm eine freie Werkstatt in Levern. Damit könne er auch Kunden mit älteren Fahrzeugen den passenden Service bieten, so Weitkamp. Jüngstes Element im Portfolio ist die Minderheitsbeteiligung an der Schwarz Werkzeugbau in Preußisch Oldendorf. „Die Firma stellt Spezialwerkzeuge für die Autoindustrie her“, erklärt Weitkamp: „Wir übernahmen sie in einer wirtschaftlichen Notlage und konnten sie mittlerweile erfolgreich neu aufstellen.“ Dabei halfen unter anderem die guten Kontakte des Leverner Mercedes-Partners in die Branche.

Als Geschäftsführer ist Jan Weitkamp für die Betriebe in Levern, Lübbecke und Osnabrück aktiv. Dort beschäftigt er insgesamt 85 Mitarbeiter mit einem Durchschnittsalter von 35 Jahren, vor zehn Jahren waren es 55. Die Anzahl der Kunden wuchs in diesem Zeitraum von 7500 auf 10.500. Dazu zählen Unternehmen wie Kesseböhmer, Hermes, ZF AG, Thomas Philipps und Harting. Das Umsatzvolumen hat sich von 18,3 Millionen Euro fast verdoppelt auf zuletzt 36,8 Millionen Euro. Die Investitionen beliefen sich in dem Zeitraum auf 3,5 Millionen Euro.

Persönliche Linie soll erkennbar bleiben

Trotz der Größe und Vielfältigkeit seiner Unternehmen betrachtet Weitkamp das Thema Personal als Chefsache. Er kümmert sich selbst um Neueinstellungen und versucht, mit jedem Mitarbeiter einmal im Jahr ein Entwicklungsgespräch zu führen. Besonders wichtig sind ihm die 15 Auszubildenden in den Berufen Kfz-Mechatroniker, Fachkraft für Lagerlogistik und Automobilkaufmann. „Bis Weihnachten will ich wissen, wer im kommenden Jahr bei uns eine Ausbildung beginnt“, so Weitkamp. Die persönliche Linie soll erkennbar bleiben. Dass das gelingt bestätigt Andre Philipps, Geschäftsführer des Handelsunternehmens Thomas Philipps mit mehr als 250 Sonderpostenmärkten in Deutschland. Bei Weitkamp werde die Beziehung zum Kunden groß geschrieben, sagt er: „Wir sind seit neun Jahren Kunde und nutzen Fahrzeuge vom E-Smart, über C-Klasse und GLA bis hin zum Sprinter. Mir ist die Zuverlässigkeit des Partners besonders wichtig. Was man bespricht wird sauber und schnell bearbeitet.“


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