IHK-Konjunkturumfrage „Mindestens 60000 neue Arbeitsplätze in Niedersachsen“

Von Nina Kallmeier

Osnabrück/Hannover. Die gute Konjunktur bundesweit spiegelt sich auch in der aktuellen Winter-Umfrage der IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim sowie der IHK Niedersachsen (IHKN) wieder. Für das Land rechnet IHKN-Hauptgeschäftsführer Dr. Horst Schrage mit 60000 neuen Arbeitsplätzen für 2018.

Die bundesweit sehr gute Wirtschaftslage sorgt auch dafür, dass die regionalen Unternehmen unter Volldampf laufen. Laut aktueller Konjunkturumfrage der IHK für das vierte Quartal 2017 sind Unternehmer nicht nur mit der aktuellen Lage trotz leichter Eintrübung zufrieden, auch die Geschäftserwartungen ziehen noch einmal deutlich an. Der Konjunkturindex liegt mit 133 Punkten (Vorquartal: 127) weiterhin deutlich über dem langjährigen Durchschnitt und deutlich über dem Landesschnitt – auch wenn der Indikator im vierten Quartal auf Landesebene um sechs Punkte auf 126 gesprungen ist. „Wir sehen einen stabilen Aufschwung auf breiter Basis, der für die weitere Entwicklung in diesem Jahr sehr gute Geschäfte erwarten lässt“, so IHKN-Hauptgeschäftsführer Horst Schrage am Freitag in Hannover. Dass sich auch die Einschätzung der Geschäftsentwicklung so positiv darstellt, hat für Schrage drei Gründe: das kontinuierliche und stabile Wachstum der vergangenen Jahre, die Inlandsnachfrage durch Investitionen und ein Welthandel, der sich stärker entwickelt als das globale Sozialprodukt.

Negative Erwartungen auf Rekordtief

Dass niedersachsenweit nur fünf Prozent der befragten Unternehmen mit der aktuellen Lage nicht zufrieden sind, sei ein Rekordtiefstand. „Eine so breite Zufriedenheit mit ihrer Geschäftslage haben unsere Unternehmen seit über 30 Jahren nicht mehr gezeigt.“ Und die Einschätzung der Geschäftsaussichten zeigt, dass auch hier nur zwölf Prozent der 1800 Befragten mit einer ungünstigen Entwicklung rechnen. In der Region blicken unter dem Strich 24 Prozent der Unternehmen optimistisch in die Zukunft. Im Vorquartal waren es nur elf Prozent.

Energiekosten werden in der Region zunehmend ein Thema

Neben dem altbekannten Risiko des Fachkräftemangels, der nach wie vor sowohl auf Landesebene als auch in der Region als größte Gefahr für die weitere Entwicklung gesehen wird, gewinnt für regionale Unternehmen noch ein zweiter Faktor deutlich an Bedeutung: die Energiekosten. Der Wert ist bis Jahresende deutlich gestiegen und wird nun in einem Atemzug mit wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen wie dem angestrebten Protektionismus einiger EU-Länder und den USA, aber auch dem Brexit, genannt. Mit Blick auf Energie geht es laut IHK vor allem um die Versorgungssicherheit und den Strompreis als Standortfaktor. Aber auch Arbeitskosten sehen Unternehmen als Risiko, zeigt die Auswertung der Konjunkturumfrage.

Nachfrage steigt

Wenig Sorge bereitet den Unternehmen – landesweit und in der Region – die Nachfrage aus dem In- und Ausland. Laut Schrage haben sich die Auftragseingänge in den vergangenen Monaten stark erhöht. Aufgrund des hohen Auftragsbestands planen Unternehmen weiterhin mit zusätzlichen Investitionen und einem Beschäftigungsaufbau. „Die Umfrage zeigt, dass insbesondere Kapazitätserweiterungen geplant sind“, so der IHKN-Hauptgeschäftsführer. Wichtig sei nun, dass diese Planungen auch realisiert werden können. Gegenüber der Politik forderte er deshalb, Planungen und Genehmigungen zu beschleunigen. „Für das Jahr 2018 rechnen wir mit mindestens 60000 neuen Arbeitsplätzen in Niedersachsen.“ Wenn der Fachkräftemangel den Unternehmen keinen Strich durch die Rechnung mache.

Aufschwung insbesondere in der Industrie

Regional berichten laut IHK insbesondere die Industrie und das Baugewerbe von einer positiven Geschäftslage. Das unterstreichen auch die Ergebnisse aus Niedersachsen. Die Bauwirtschaft, so Scharge, sei nach wie vor an der Kapazitätsgrenze und damit vom Fachkräftemangel besonders betroffen. Die Branche rechne auch mit weiteren Preissteigerungen. Insgesamt, so die regionale Auswertung, bewegen sich alle betrachteten Branchen oberhalb ihres langjährigen Durchschnitts.

Handel macht Sorge

Niedersachsenweit macht jedoch der Handel Sorge – trotz zufriedenstellender und steigender Umsätze. „Der stationäre Handel gerät immer weiter unter Druck“, so Schrage. Die Strukturveränderungen durch steigende Online-Umsätze sei nachhaltig. Und das wirke sich auch auf die Innenstädte aus. In der Region sind die Unternehmen etwas positiver gestimmt. Nach zuletzt schwankenden Erwartungen blickt man hier laut IHK derzeit unterm Strich positiv in die Zukunft – auch wenn der Online-Handel deutlich optimistischer ist als der stationäre Handel. Positiv stimmte Scharge für Niedersachsen, dass die Reedereien wieder deutlich optimistischer gestimmt seien.

Ausblick auf 2018

Die Aussichten für die niedersächsische Wirtschaft in 2018 sind für den IHKN-Hauptgeschäftsführer selten besser gewesen. Landesweit werde für 2018 ein Wirtschaftswachstum von zwei bis 2,5 Prozent erwartet. „Unsere Wirtschaft wächst in diesem Jahr sehr viel schneller als in der Vergangenheit. Deshalb ist es jetzt wichtig, Planungen und Genehmigungen für Kapazitätserweiterungen zu beschleunigen und zusätzliche Fachkräfte für Niedersachsen zu gewinnen.“