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12.01.2018, 05:06 Uhr KOMMENTAR

Überstunden: Gleichermaßen von Mehrarbeit profitieren

Ein Kommentar von Nina Kallmeier



Die Zahl der geleisteten Überstunden bleibt hoch. Laut jüngstem Mikrozensus haben Beschäftigte in Deutschland im Jahr 2016 insgesamt 828,7 Millionen Stunden zu viel in der Firma verbracht – allein in Norddeutschland 135,5 Millionen Stunden.

Die Konjunktur boomt, die Zahl der Beschäftigten liegt auf Rekordhoch – und auch wenn die Zahl der geleisteten Überstunden laut Mikrozensus zurückgeht, liegt sie doch auf einem viel zu hohen Niveau. Werden in den Büros und Betrieben kontinuierlich mehr als die vereinbarten Stunden geleistet, droht eine Gefahr: Mehrarbeit wird als Selbstverständlichkeit und weniger als Ausnahme von der Regel gesehen. Das darf nicht passieren.

Natürlich ist es utopisch zu glauben, dass Überstunden komplett verhindert werden könnten. Kurzfristige Spitzen müssen auch weiterhin abgefedert, auf dem Bau wetterbedingte Arbeitsmöglichkeiten ausgenutzt werden. Dem würde auch ein Arbeitnehmer nicht widersprechen. Er ist bereits sehr flexibel. Überstunden müssen sich jedoch in einem Rahmen bewegen, der zumutbar bleibt. Es darf bei Arbeitgebern nicht der Eindruck entstehen, dass Mehrarbeit grundsätzlich dazugehört. Eigentlich sollte gelten: Die Aufgaben müssen in der Regel in den vertraglich vereinbarten Stunden zu leisten sein.

Ist das nicht der Fall, kann es – ohne mehr Personal – nur eine Konsequenz geben: Der Arbeitnehmer wird für seine mehr geleistete Arbeit finanziell oder zeitlich entschädigt. Daran hapert es, und das darf nicht sein. Dabei geht es nicht um Erbsenzählerei, sondern darum, dass auch der Arbeitnehmer von den Früchten seiner Arbeit profitieren sollte.


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