Junger Verkehrsträger Fernbusmarkt wächst, Ticketpreise steigen

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Die knallgrünen Busse von Flixbus sind inzwischen überall auf den Autobahnen der Republik zu sehen. Das Unternehmen ist zu einem Quasi-Monopolisten aufgestiegen. Foto: dpaDie knallgrünen Busse von Flixbus sind inzwischen überall auf den Autobahnen der Republik zu sehen. Das Unternehmen ist zu einem Quasi-Monopolisten aufgestiegen. Foto: dpa

Osnabrück. Immer mehr Reisende in Deutschland entdecken den Fernbus als Alternative zu Bahn, Auto und Flugzeug. Die Fahrgäste zahlten 2017 im Durschschnitt außerdem mehr für die Tickets.

Der deutsche Fernbusmarkt ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen. 25,4 Millionen Fahrgäste nutzten das Verkehrsmittel, 5,8 Prozent mehr als die 24 Millionen im Jahr 2016. Das teilte der Portalbetreiber Checkmybus mit. Die Nürnberger Firma steht hinter der Vergleichsseite fernbusse.de und hat als Datengrundlage eigene Zahlen sowie Angaben der Fernbusunternehmen herangezogen. Auch für das laufende Jahr erwartet Ceckmybus steigende Passagierzahlen auf dem erst 2013 liberalisierten Markt. Grund sei der geplante Ausbau des Streckennetzes.

Ticketpreise legen um 12,3 Prozent zu

Nicht nur die Nutzerzahlen, auch die Ticketpreise setzten 2017 ihren Aufwärtstrend fort. Die durchschnittlichen Ticketpreise legten laut Checkmybus von 22,79 Euro 2016 auf 25,59 Euro im vergangenen Jahr – ein Anstieg von 12,3 Prozent. Marktführer Flixbus bestritt auf Nachfrage allerdings Preiserhöhungen und verwies zur Begründung auf die bessere Auslastung. Die führe dazu, dass Sparpreis-Kontingente schneller vergriffen seien und mehr Tickets zum Normalpreis verkauft würden. „Wir haben ein dynamisches Preissystem, wie bei Fluggesellschaften“, sagte Sprecherin Susanne Hintermayr.

Nach der Liberalisierung versuchten zunächst viele Unternehmen, sich in dem neuen Markt zu etablieren. Doch rasch setzte eine Konsolidierung ein. Der Münchner Anbieter Flixbus kaufte eine Reihe von Konkurrenten auf, zuletzt Hellö, das Fernbusgeschäft der Österreichischen Bundesbahnen. Andere Anbieter wie City2City gaben ihr Geschäft auf. Inzwischen beherrscht Flixbus als Quasi-Monopolist mit 94 Prozent Marktanteil das Fernbusgeschäft in Deutschland.

Kartellamtschef: Wir beobachten den Markt

Die hohe Konzentration auf dem Fernbusmarkt ist auch dem Bundeskartellamt nicht verborgen geblieben. „Wir konnten all diese Fusionen nicht prüfen, weil die Umsätze der beteiligten Unternehmen zu gering waren“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt im Gespräch mit unserer Redaktion. Grund dafür ist das Geschäftsmodell von Flixbus. Das Unternehmen betreibt keine eigene Busflotte, sondern kooperiert mit mittelständischen Busunternehmen. Flixbus stellt ein Markendach bereit, entwickelt das Streckennetz und betreibt das Buchungssystem. „Wir sind jetzt darauf verwiesen, im Nachhinein zu schauen, ob Flixbus möglicherweise seine Marktmacht missbraucht. Bislang gibt es dafür keine Anhaltspunkte. Wir beobachten den Markt aber weiterhin.“

Konkurrenz mit der Bahn

Dem Bundesverband der Deutschen Omnibusunternehmer (BDO) bereitet die hohe Konzentration indes kein Kopfzerbrechen. „Die Befürchtungen, dass die Qualität leidet und die Preise steigen, die teilen wir nicht, weil die Konkurrenz mit anderen Verkehrsmitteln besteht“, sagte BDO-Sprecher Christian Wahl. Die Kunden könnten immer auch ins Auto oder in den Zug steigen. Tatsächlich hat die Deutsche Bahn inzwischen mit vermehrten Sparangeboten im Fernverkehr auf das starke Wachstum des Fernbusmarkts reagiert. Besonders Frühbucher können bei dem Staatskonzern Schnäppchen machen.


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