Möbel- und Küchenindustrie Starker Import aus Polen, China und Tschechien

Der Umsatz der deutschen Möbelhersteller bleibt stabil auf hohem Niveau. Für 2018 ist VDM-Hauptgeschäftsführer Volker Fasbender vorsichtig optimistisch. Foto: dpaDer Umsatz der deutschen Möbelhersteller bleibt stabil auf hohem Niveau. Für 2018 ist VDM-Hauptgeschäftsführer Volker Fasbender vorsichtig optimistisch. Foto: dpa

Köln . Die Konjunktur boomt. Doch davon profitiert die deutsche Möbel- und Küchenindustrie nur bedingt. Der Umsatz stagniert auf hohem Niveau. Im Vorfeld der am Montag beginnenden Messe imm Cologne haben der Verband der Deutschen Möbelindustrie und der Handelsverband Möbel und Küchen aktuelle Zahlen vorgestellt.

Die Deutschen bleiben in Kauflaune. Das zeigt die Entwicklung des GfK-Konsumklima-Index deutlich. Die Möbel- und Küchenindustrie in Deutschland kann davon aber nur bedingt profitieren. Nach drei Jahren steigender Umsätze sind nun die ersten zehn Monate des Jahres 2017 mit einem kleinen Minus versehen, so der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM), Volker Fasbende. „Wir gehen aber davon aus, dass wir das Jahr mit einem stabilen Umsatz von knapp 18 Milliarden Euro abschließen werden.“ Den guten Start im ersten Quartal mit Umsatzzuwächsen von 3,1 Prozent habe man bis Oktober nicht halten können. Damit bliebe der Umsatz auf Vorjahresniveau. Zusammen mit Thomas Grothkopp, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Möbel und Küchen (BVDM) stellte Fasbender im Vorfeld der am Montag beginnenden internationalen Leitmesse imm Cologne die aktuellen Branchenzahlen vor.

Mehr Wohnmöbel, weniger Küchen

Für die einzelnen Branchen bedeutet das: Nicht nur der Umsatz der Küchenindustrie ist nach einem Plus 2016 bis Oktober mit 3,3 Prozent im Minus, sondern auch die deutschen Produktionsstandorte der Polstermöbelindustrie (-3,4 Prozent) sowie erneut der Umsatz im Segment Matratzen (-2,9 Prozent). Eine Erklärung für Letzteres gab Thomas Grothkopp: Boxspring-Betten bleiben ein Megatrend. Ein leichtes Plus hingegen gibt es bei Büromöbeln. „Eine Erhebung, die wir verbandsintern bei den marktprägenden Unternehmen durchgeführt haben, zeigt sogar ein Umsatzplus von mehr als zwei Prozent“, so Fasbender. Ebenfalls gut entwickelt hat sich im vergangenen Jahr der Bereich „Sonstiges“, dem laut Fasbender größten Teilsegment. Es umfasst unter anderem den Wohn-, Ess-, und Schlafbereich. Erzielt wurde in den ersten zehn Monaten ein Umsatz von 6,1 Milliarden Euro, ein Plus von zwei Prozent. Auch hier, so Fasbender bestätige eine verbandsinterne Umfrage bei den marktprägenden Unternehmen die große Nachfrage im Segment.

China, Polen und Tschechien exportieren verstärkt nach Deutschland

Zu schaffen macht der deutschen Möbelindustrie unter anderem eine geringe Nachfrage im Inland – auch aufgrund rückläufiger Baugenehmigungen, machten sowohl der VDM-Hauptgeschäftsführer als auch BVDM-Hauptgeschäftsführer Thomas Grothkopp deutlich. „Das bedeutet zwangsläufig auch weniger Wohnraum zum Einrichten – fast alle Sparten der Möbelindustrie sind direkt oder indirekt von der Baukonjunktur abhängig“, so Fasbender. Auch für den leichten Rückgang der Importumsätze um 0,9 Prozent sah er den Grund in der gesunkenen Nachfrage. Allerdings: Polen ist nach wie vor größter Importeur nach Deutschland. Zusammen mit China und Tschechien hat das Land einen Importanteil von mehr als 55 Prozent. Insgesamt hat die Importquote mit 65 Prozent einen neuen Höchststand erreicht. „Die Zahl macht deutlich, wie wichtig für unsere Hersteller im Gegenzug der Export ist. Für unseren weiteren Erfolg ist er unabdingbar“, betonte Fasbender.

Exportquote auf Rekordhoch

Und der Blick auf den Auslandsmarkt stimmt den VDM-Hauptgeschäftsführer auch positiver als das Inlandsgeschäft. Bei einem Umsatz von 4,8 Milliarden Euro erreicht der Exportanteil mit 32,5 Prozent einen Anteil am Gesamtumsatz, der so hoch liegt wie nie zuvor. „Um die Jahrtausendwende lag die Quote nur rund halb so hoch“, betonte Fasbender. Als Märkte außerhalb Europas hob er vor allem China, Russland und die USA hervor. Allein die Ausfuhren nach China stiegen in den ersten zehn Monaten um 21,4 Prozent. Der Absatz deutscher Möbel in Russland legte im Jahresverlauf 2017 erstmals seit drei Jahren wieder um 7,5 Prozent zu. Und trotz anfänglicher Verunsicherung liegen die Ausfuhren in die USA mit 10,3 Prozent im Plus. Als Sorgenkind im Exportgeschäft bezeichnete Fasbender Großbritannien. Hier sind die Exporte bis Oktober 2017 um 5,9 Prozent eingebrochen.

Zahl der Betriebe nimmt leicht ab

Die Zahl der deutschen Hersteller mit mehr als 50 Mitarbeitern lag 2017 bei 492, 1,3 Prozent niedriger als noch im Jahr zuvor – aufgrund von Insolvenzen in der Branche, so Fasbender. Beschäftigt werden knapp 84000 Mitarbeiter, 0,3 Prozent weniger als 2016.

Handel nicht zufrieden

Der Handel selbst ist mit dem zurückliegenden Geschäftsjahr weniger zufrieden, wie Thomas Grothkopp ausführte – auch wenn der Jahresbruttoumsatz des Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels um 0,5 Prozent auf 33,6 Milliarden gestiegen sein dürfte. Die Gewinner der sich immer weiter konzentrierenden Branchen seien neben den großen Wohnkaufhäusern spezialisierte Fachgeschäfte. Der Online-Umsatz bleib mit rund drei Milliarden Euro aber weiterhin deutlich unter zehn Prozent.

Ausblick

Für die Region hat die Möbel- und Küchenindustrie eine große Bedeutung. Jüngste Pleiten wie die Firma Alno, die auch in Enger produziert hatte, machen sich da bemerkbar. Für das laufende Geschäftsjahr ist Volker Fasbender vorsichtig optimistisch. „Wir gehen davon aus, dass wir das hohe Niveau halten können.“ Und auch Grothkopp geht für 2018 von einer steigenden Nachfrage aus.


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