Förderung kaum gefragt Dudenhöffer: Bei E-Auto-Prämie draufsatteln


Osnabrück. Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer hat die Politik dazu aufgerufen, die Kaufanreize für Elektroautos zu verstärken. Zugleich forderte er, Diesel- und Benzinkraftstoffe steuerlich gleichzustellen.

„Die Politik sollte bei der Elektroauto-Prämie draufsatteln“, sagte Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des CAR Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen im Gespräch mit unserer Redaktion. Er reagierte damit auf einen Medienbericht, demzufolge die Kaufprämien für E-Autos weiterhin kaum abgerufen werden.

Bislang wurden knapp 47000 Anträge für einen Zuschuss beim Kauf eines E-Autos gestellt, wie die Zeitung „Die Welt“ unter Berufung auf das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) berichtete. Die vom Bund bereitgestellten 600 Millionen Euro reichten für mehr als 300000 Fahrzeuge. „Aktuell spricht einiges dafür, dass die Mittel nicht bis zum Ende der Förderung Mitte 2019 ausgeschöpft sind“, sagte Bafa-Präsident Andreas Obersteller der Zeitung. Der Bund fördert den Kauf eines Batterieautos oder Brennstoffzellenfahrzeugs mit 2000 Euro. Für ein von außen aufladbares Hybridauto gibt es 1500 Euro.

Autoexperte Dudenhöffer nennt mehrere Gründe für die verhaltene Resonanz: „Erstens geben die Steuersubventionen auf Diesel den Autofahrern das Signal, sich einen Diesel zu kaufen. Das bremst die E-Mobilität aus. Zweitens ist die Ladeinfrastruktur teils zum Weglaufen. In vielen Großstädten gibt es viel zu wenige Ladesäulen.“ Drittens hätten die Autobauer bisher nur wenige Fahrzeuge mit hoher Reichweite im Programm. Der Experte erwartet aber ab 2019 ein deutlich verbessertes Angebot.

Neben stärkeren Kaufanreizen sprach Dudenhöffer sich dafür aus, die Steuervorteile für Dieselkraftstoff abzuschaffen. „Die Politik sollte die Dieselsubvention kippen und Diesel so wie Benzin besteuern. Mit den Einnahmen könnte man die Ladeinfrastruktur schnell und flächendeckend ausbauen und Deutschland zum Musterland für Elektromobilität machen.“ Mit dem gleichen Vorstoß hatte sich zuletzt VW-Chef Matthias Müller in die Debatte eingeschaltet.

In einer aktuellen Studie hat Dudenhöffers Institut die Ladeinfrastruktur in deutschen Großstädten untersucht – und große Unterschiede vorgefunden. Die Autostadt Stuttgart schneidet mit nur 2694 Einwohnern je öffentlicher Ladesäule mit Abstand am besten ab, liegt aber noch deutlich hinter Amsterdam, das mit 650 Einwohnern je Ladesäule als Referenzpunkt gilt. Mit einigem Abstand folgt Osnabrück auf Platz zwei mit 7113 Einwohnern je Ladestation. Im Vergleich zu Solingen sind das geradezu paradiesische Zustände für E-Auto-Besitzer: Die Stadt im Bergischen Land landet mit 52909 Einwohnern je Ladesäule auf dem letzten Platz.

Insgesamt bot sich den Studienautoren ein ernüchterndes Bild. In den zehn größten deutschen Städten müssen sich im Schnitt rechnerisch 9344 Einwohner eine Ladestation teilen. „Besonders in Großstädten sind Besitzer von Elektroautos auf öffentliche Ladesäulen angewiesen“, heißt es in der Untersuchung. „Will man dem E-Auto zum Durchbruch verhelfen, braucht es ein Programm für die großen Städte.“ Gerade dort entfalteten Elektroautos „ihre größten Vorteile“. (Mit dpa)


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