Kommentar Abgasskandal: Genau hinsehen!

Meinung – Stefanie Witte | 11.06.2018, 20:04 Uhr

Stolz hatte sich Daimler im Zuge des Abgasskandals von Mitbewerbern distanziert. Bei Mercedes gebe es keine Manipulationen, hatte Konzernchef Dieter Zetsche lautstark verkündet. Dann kamen die Einschläge immer näher: durch neue Enthüllungen, problematische Prüfungsergebnisse und politischen Druck. Jetzt also der Rückruf in hunderttausendfacher Zahl. Ein Kommentar.

Daimler ist ebenso im Kern getroffen wie Konkurrent Volkswagen. Negative Auswirkungen fürs Image inklusive – und das nicht zuletzt aufgrund der Salamitaktik der Führungsebene.

Doch nicht nur die Fallhöhe, auch das Ausmaß schockiert. Die hohe Zahl der betroffenen Fahrzeuge ist ein weiterer schwerer Schlag für die gesamte deutsche Autoindustrie. Die Hoffnung, der Abgasskandal könne langsam zu den Akten gelegt und der Fokus auf die Zukunft gerichtet werden, ist zerstört. Da verkommt die Nachricht, dass Audi-Chef Rupert Stadler in der Abgas-Affäre als Beschuldigter geführt wird, zur Randnotiz.

Politisch kann all das nur eins bedeuten: Die Konzerne müssen zu maximaler Transparenz gezwungen werden. Mit Rückrufen und den Prüfungen des Kraftfahrtbundesamtes hat die Politik ein scharfes Schwert in der Hand. Gut, dass sie es nutzt. Falsche Rücksichtnahmen sind fehl am Platz.