Zu laxe Kreditvergabe? Bafin-Chef weckt böse Erinnerungen

Meinung – Manuel Glasfort | 07.05.2019, 21:22 Uhr

Bafin-Chef Alexander Hufeld kritisiert die deutschen Banken, unter anderem für ihre Trägheit. Das ist nicht nur sein Recht, sondern sein Job. Trotzdem vergisst er bei seiner Kritik etwas Wesentliches.

Eines ist sicher: Wenn der Chef der Finanzaufsicht vor die Presse tritt, dann horchen die Vorstände in den Banken auf. Lange vorbei sind die Zeiten, in denen der Bankensektor in Deutschland seine Aufsicht ein wenig belächelte. Die Bafin ist zehn Jahre nach der Finanzkrise eine respektabel ausgestattete Behörde, die der Branche genau auf die Finger schaut.

Gut so. Auch wenn es immer Krisen geben wird, ist es gut zu wissen, dass die Aufsicht wichtige Entwicklungen im Blick behält. Sollte sich die Befürchtung der Aufseher bestätigen, wonach manche Banken bei der Kreditvergabe allzu lax vorgehen, wäre das ein echtes Alarmsignal. Auch wenn es heute nicht um Immobilienkredite geht, werden böse Erinnerungen wach an US-Banken, die vor der Krise Hauskredite verteilt hatten wie Kaugummis. Das Ergebnis ist bekannt.

Schwerer noch wiegen die Vorwürfe Hufelds, die Banken würden sich zu wenig anstrengen, um schlanker zu werden. Es ist wahr, dass – ausgerechnet! – die Banken im Sparen nie besonders gut waren. Und trotzdem geht Hufelds Appell am Kern der Sache vorbei. Denn es ist letztlich die Nullzinspolitik, die das Geschäftsmodell der Banken zerstört und womöglich zu laxer Kreditvergabe verleitet. Ändert die EZB ihren Kurs nicht bald, wird auch die beste Aufsicht nichts nützen.