"Große Sorgen" bei der Bafin Aufseher warnt: Banken zu locker bei Kreditvergabe

Von Manuel Glasfort | 07.05.2019, 18:39 Uhr

Deutschlands oberster Bankenaufseher hat die Institute im Land vor einer zu großzügigen Kreditvergabe gewarnt. Es bestehe Anlass zu „großer Sorge“, sagte Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) am Dienstag in „Wer Investitionen oder Kreditvergaben privilegiert, legt den Grundstein für die nächste Krise.“

Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) nagt seit Längerem an den Zinserträgen der Banken, ihrer wichtigsten Ertragsquelle. Wenn die Institute aber am einzelnen Darlehen weniger verdienen – so die Sorge der Aufseher – könnten sie in Versuchung geraten, schlicht mehr Kredite aggressiver in den Markt zu drücken. „Wir haben daher die Sorge, dass die Institute ihre Anforderungen an die Bonität ihrer Kreditnehmer oder die Qualität ihrer Kreditsicherheiten aufweichen und zugleich nicht ausreichend Risikovorsorge betreiben“, sagte Raimund Röseler, Exekutivdirektor Bankenaufsicht bei der Bafin. Im Fokus stünden weniger Kredite an Privatpersonen, sondern Darlehen an mittelständische Unternehmen, sagte Röseler.

An schlechte Schuldner vergebene Kredite könnten den Banken spätestens im nächsten Abschwung auf die Füße fallen. Um herauszufinden, wie ernst die Lage ist, hat die Bafin im April eine Umfrage unter knapp 100 von ihr beaufsichtigten Banken gestartet. Die Ergebnisse stehen noch aus.

"Intensivstation" für Krisen-Banken eingerichtet

Röseler gab außerdem bekannt, dass die Bafin Anfang des Jahres eine „Intensivstation“ für schwächelnde Banken eingerichtet hat. „Dort haben wir viel von unserem Krisen-Know-How gebündelt“, sagte Röseler. Zwar gehe es den deutschen Banken nicht schlecht, „aber wir wollen Vorsorge betreiben, solange die Konjunktur noch gut ist.“ Falls eine Bank in ernsthafte Schwierigkeiten gerät, soll die neue Einheit sie „in Manndeckung nehmen“.

Die Banken in Deutschland haben nicht nur mit den Niedrigzinsen zu kämpfen, auch die Digitalisierung und der hohe Wettbewerbsdruck machen ihnen zu schaffen. Im europäischen Vergleich haben sie zwar wenige faule Kredite in ihren Büchern, allerdings ist ihre Ertragskraft mau. Hufeld forderte die Institute nachdrücklich auf, ihre Geschäftsmodelle neu auszurichten und vor allem die Kosten in den Griff zu bekommen. Seit der Finanzkrise hätten die deutschen Banken ihre Kosten nicht gesenkt, sondern sogar leicht gesteigert. „Das empfinde ich – höflich formuliert – als extrem schwer nachvollziehbar. Und es sagt mir, dass der Druck immer noch nicht hoch genug ist“, so der Chefaufseher.

Warnung vor "Rückfall in Laissez-faire"

Mehr als zehn Jahre nach der Finanzkrise bescheinigte Hufeld dem Bankensektor, stabiler und widerstandsfähiger geworden zu sein. Gefährliche Lücken in der Regulierung seien geschlossen, die Eigenkapitalanforderungen erhöht worden. „Ein Rückfall in das regulatorische Laissez-faire der Vorkrisenzeit wäre fatal“, sagte Hufeld. Er wolle die Klagen der Industrie über übertriebene Regulierung aber nicht pauschal als unberechtigt abtun. Regulierung müsse angemessen und verhältnismäßig sein.

Dabei sind die Banken mit der Umsetzung von Regelwerken wie der Finanzmarktrichtlinie Mifid II durchaus vorangekommen, wie Elisabeth Roegele, Exekutivdirektorin Wertpapiermanagement, feststellte. Bei den Kosteninformationen müssten die Institute noch mal nachbessern. Diese fielen nach wie vor zu unterschiedlich aus, sodass Verbraucher keine echten Vergleiche anstellen könnten.

Auch beim Kampf gegen Geldwäsche erkennt die Bafin noch „Luft nach oben“. Hufeld wies Kritik an seiner Behörde in dem Zusammenhang zurück. „Wir sind hier in einem Rechtsstaat und nicht im wilden Westen. Wir können uns nicht einfach einen Sheriffstern ans Revers heften, losreiten und irgendwelche Verdächtigen verhaften, etwa potenzielle Geldwäscher.“ Das sei Aufgabe von Justiz und Polizei. „Wenn sie ermitteln, heißt das auch nicht, dass wir geschlafen haben“, sagte Hufeld. Vielmehr würden die Ermittler in 90 Prozent der Fälle aktiv, weil Präventionssysteme im Finanzsystem angeschlagen hätten, die die Bafin beaufsichtige.

Allerdings räumte Röseler ein, dass es im Geldwäscheskandal um die Danske Bank Fehler der europäischen Aufsichtsbehörden gegeben habe. Diese müssten nun aufgearbeitet werden. Die estnische Niederlassung der dänischen Bank hatte jahrelang Geldwäsche betrieben, auch deutsche Firmen waren darin verwickelt.

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