Studie zum Wirtschaftsstandort Ausländische Investoren halten sich in Deutschland zurück

Von Nina Kallmeier | 04.06.2019, 02:05 Uhr

Zum ersten Mal in fast 15 Jahre ist die Zahl ausländischer Investitionen in Deutschland zurückgegangen. Selbst im Jahr der Wirtschaftskrise 2009 stieg die Zahl der Projekte. Ein Warnsignal?

Ausländische Investoren haben ihr Engagement in Deutschland nach einer aktuellen Studie im vergangenen Jahr merklich reduziert. Es ist der erste Rückgang seit Beginn der Erhebung im Jahr 2005, wie aus der europaweiten Standort-Attraktivitätsstudie des Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY) hervorgeht, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Zugleich ist die Unzufriedenheit mit den Rahmenbedingungen gewachsen. Mehr als ein Drittel der befragten Vertreter internationaler Unternehmen, die bereits in Deutschland aktiv sind, äußerte sich negativ. Im Jahr zuvor war es ein gutes Viertel. Überwiegend kritisch gesehen werden der Befragung zufolge die Flexibilität des Arbeitsrechts, die Unternehmensbesteuerung sowie die Arbeitskosten. Bernhard Lorentz, Partner bei EY und Leiter des Bereichs Government & Public Sector für Deutschland, die Schweiz und Österreich sagt:

„Ein wettbewerbsfähiges Steuersystem, wirtschaftliche und politische Aufbruchstimmung sowie Offenheit für neue Technologien sind wichtige Faktoren. Da hat Deutschland Nachholbedarf.“

Positiv gesehen werden dagegen die Transportinfrastruktur, die Stabilität des politischen und rechtlichen Umfelds sowie das Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte.

Großbritannien bleibt in Europa an der Spitze

Insgesamt beläuft sich die Zahl der ausländischen Investitionsprojekte in Deutschland laut EY-Studie auf 973 – ein Rückgang von 13 Prozent und damit deutlich über dem europaweiten Schnitt von 4 Prozent. Damit fällt die Bundesrepublik im europäischen Investitionsranking von Platz zwei auf Platz drei hinter Großbritannien und Frankreich zurück. Softwareunternehmen waren im vergangenen Jahr mit 189 Projekten die wichtigsten ausländischen Investoren in Deutschland, gefolgt von B2B-Dienstleistern (130 Projekte) und dem Maschinenbau (90 Projekte).

Trotz Spitzenposition im Investitionsranking ist auch die Zahl der Projekte in Großbritannien um 13 Prozent auf 1054 gesunken. Insbesondere US-Unternehmen blieben dem Standort treu und bauten ihr Engagement sogar aus. Deutsche Firmen hingegen schraubten ihre Investitionen in Großbritannien um 30 Prozent zurück. Weniger stark fielen die Rückgänge bei Ländern wie Frankreich, Indien oder Japan aus.

US-Investoren bleiben Standort Deutschland treu

Auf Investoren aus den USA konnte auch der Standort Deutschland weiterhin bauen. Allerdings reduzierten neben Schweizer Firmen (−42 Prozent) vor allem britische und chinesische Unternehmen (−12 Prozent) ihr Engagement. Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY in Deutschland, betont:

„Dass die ausländischen Investitionen in Deutschland sinken, ist ein Warnsignal. Deutschland ist nicht mehr Wachstumsmotor der europäischen Wirtschaft.“

Es seien dringend wieder eine positive Dynamik und neue Wachstumsimpulse nötig.

Deutsche Unternehmen investieren weiter

Deutsche Unternehmen wiederum sind im Ausland nach wie vor sehr investitionsfreudig. Laut EY haben sie im vergangenen Jahr 57.000 neue Arbeitsplätze in Europa geschaffen. Hauptziele ihres Engagements waren im vergangenen Jahr Frankreich, Großbritannien und Polen. Nur US-Unternehmen waren in Europa aktiver.

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