Vorstoß von Handwerkspräsident Ablöse für Azubis ist eine Frage der Fairness

Meinung – Manuel Glasfort | 03.06.2019, 18:56 Uhr

Halten die Sitten aus dem Profi-Fußball bald Einzug im Handwerk? Wenn es nach Branchenpräsident Hans Peter Wollseifer geht, sollen für das Abwerben frisch ausgebildeter Lehrlinge Ablösegelder fließen. Was im ersten Moment schräg klingt, ist ein bedenkenswerter Vorschlag.

Es ist bitter, wenn ein Handwerksbetrieb knappes Geld in die Ausbildung von Nachwuchs investiert und dieser ihm nach bestandener Prüfung schnurstracks von der Fahne geht, um etwa in der Industrie Geld zu verdienen. Das gilt allemal in Zeiten des Fachkräftemangels.

„Dann soll das Handwerk seine Leute eben besser bezahlen!“ – dieser Reflex ist so naheliegend wie naiv. Handwerkerstunden sind wegen der hohen Lohnnebenkosten heute bereits teuer, vielen Haushalten zu teuer. Und keine andere Dienstleistung kann leichter durch Eigen- oder Schwarzarbeit ersetzt werden. Ohnehin wird ein Handwerksbetrieb nie mit den Löhnen eines umsatzstarken Industrieunternehmens mithalten können. Deshalb ist es eine Frage der Fairness, dass Handwerksbetriebe einen Teil der Ausbildungskosten zurückerhalten, wenn der Nachwuchs abwandert.

Es gibt eine weitere Möglichkeit: Warum nicht auf arbeitsintensive Dienstleistungen nur den reduzierten Mehrwertsteuersatz erheben, wie es andere EU-Länder machen? Das würde den Betrieben auch Spielräume für höhere Löhne eröffnen.

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