Daten-Netzwerke Es braucht Konkurrenz für Apple und Google

Meinung – Uwe Westdörp | 29.10.2019, 17:42 Uhr

Europäische Unternehmen und Behörden sollen eine vor Ort entwickelte Cloud-Infrastruktur bekommen, die sie unabhängig von Angeboten der US-Giganten Amazon, Microsoft und Google macht. Das Ziel ist richtig und wichtig. Die Initiative kommt angesichts der weit enteilten Konkurrenz allerdings reichlich spät. Ein Kommentar.

Wie die Zeit vergeht: Schon 50 Jahre ist es her, da gelang es zwei Wissenschaftlern in den USA, Daten zwischen zwei Computern auszutauschen. Es war die Geburtsstunde des Internets. Viel hat sich seitdem geändert, eines aber blieb konstant: die Dominanz US-amerikanischer IT-Größen wie Amazon, Microsoft und Google. Das soll sich nun wenigstens in einem Teilbereich der digitalen Welt ändern. Und das ist gut so. Ein eigenständiges europäisches Netzwerk und eine eigene europäische Daten-Cloud sind überfällig.

Denn es geht um die Ökonomie der Zukunft: um Suchmaschinen, Bewertungsportale, Handelsplattformen, Medien- und Inhaltsdienste, soziale Netzwerke – und damit um große Wertschöpfung, die möglichst im Land oder in Europa bleiben soll.

Und es geht um Datensicherheit, die bei US-Anbietern nicht vollständig gewährleistet ist. Denn der sogenannte Cloud-Act gewährt US-Behörden den Zugriff auf die Daten amerikanischer Unternehmen, auch wenn deren Server im Ausland stehen. Wichtig auch: Hochgeladene Daten sollen im Besitz von Privatleuten und Unternehmen bleiben.

Das alles sind richtige und vordringliche Ziele. Die Frage bleibt freilich, ob die Initiative für das Projekt nicht zehn Jahre zu spät kommt. Es wird angesichts der weit enteilten Konkurrenz ein Kraftakt, ein wettbewerbsfähiges Angebot zu machen.