Angeschlagener Modekonzern Gläubiger ebnen Weg für Sanierung von Gerry Weber

Von dpa, Manuel Glasfort | 18.09.2019, 21:16 Uhr

Der ums Überleben kämpfende Modehersteller Gerry Weber ist nach eigener Einschätzung bei der finanziellen Sanierung einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Die Gläubigerversammlung habe den Insolvenzplan mit großer Mehrheit angenommen, teilte die Gerry Weber International AG gestern mit.

Die Gruppe der Aktionäre habe zwar ihre Zustimmung verweigert, ihr Nein könne das zuständige Gericht unter Verweis auf das Obstruktionsverbot aber aufheben und damit dem Insolvenzplan zur Umsetzung verhelfen.

Sachwalter Stefan Mayer rechne damit, dass das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung noch in diesem Jahr aufgehoben und die Sanierung außerhalb des Insolvenzverfahrens abgeschlossen werden könne. Gerry Weber mit immer noch mehr als 3600 Arbeitsplätzen könne in seinen Kernstrukturen erhalten bleiben, sagte Mayer laut Mitteilung. Gerry-Weber-Vorstandssprecher Johannes Ehling sprach von einer „großartigen Nachricht“, um bei der Neupositionierung des Unternehmens „so richtig durchzustarten“. Das klare Votum der Gläubiger sei „Ansporn und Verantwortung, Gerry Weber wieder zum Erfolg zu führen“.

Gerry Weber steckt seit Jahren in der Krise. Der Konzern leidet nicht nur unter dem Rückgang der Kundenfrequenzen in den Innenstädten und dem Siegeszug des Onlinehandels. Auch eigene Fehler, vor allem hohe Investitionen in ein eigenes Ladennetz, machten dem Unternehmen schwer zu schaffen. Ende Januar musste der Konzern Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden. (Hier weiterlesen: Anzeige wegen Insolvenzverschleppung gegen Ex-Chef)

Investoren steigen ein

Im Juli bekam das Unternehmen wieder eine Zukunftsperspektive, als die Finanzinvestoren Robus und Whitebox ihren Einstieg ankündigten. Sie wollen dem Unternehmen mit einer fast 50 Millionen Euro schweren Finanzspritze weiterhelfen.

Ein teil dieser Summe fließt in die Entschädigung der Gläubiger. Diese erhalten den Angaben zufolge zwischen 32 Prozent und mehr als 50 Prozent ihrer Forderungen zurück. Das liege deutlich über dem, womit sie im Falle einer Zerschlagung der Unternehmensgruppe hätten rechnen können.

Für die Aktionäre hat der Insolvenzplan zur Folge, dass sie nach einem Kapitalschnitt ohne Entschädigung aus der Gesellschaft ausscheiden müssen. Wohl deshalb haben sie gegen den Insolvenzplan gestimmt. Robus und Whitebox werden dann alleinige Aktionäre der Gerry Weber International AG. mgl/dpa

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