Kommentar Bitterer Abstieg für Thyssenkrupp

Meinung – Manuel Glasfort | 05.09.2019, 19:19 Uhr

Was für ein Prestigeverlust! Thyssenkrupp, Sinnbild der deutschen Schwerindustrie, fliegt nach 31 Jahren aus dem Dax. Für viele Außenstehende keine große Sache, doch HSV-Fans können die Stimmungslage im Konzern nach diesem bitteren Abstieg nachempfinden.

Dabei kam die Deklassierung nicht unerwartet. Das Management des Kolosses Thyssenkrupp hat sich zu viele Fehler geleistet, die nun bestraft werden. Ob es nun die teuren Fehlinvestitionen in Brasilien und den USA waren oder die geplatzte Fusion mit Tata – dem Konzern wollte nichts mehr so recht gelingen. Thyssenkrupp ist außerdem schlicht viel zu groß und unübersichtlich geworden. Auf der Beteiligungsliste finden sich fast 500 Positionen – welches Management soll da noch den Überblick behalten? Wie soll eine solch riesige Ansammlung an Unternehmen effizient geführt werden? Viele der Zukäufe wurden nicht richtig integriert, wie Vorstandschef Kerkhoff selbst einräumen musste.

Die Zeit von Konglomeraten neigt sich dem Ende zu. Auch andere Industrieriesen wie Siemens haben das erkannt und geben sich eine Holding-Struktur, die offenbar auch Thyssenkrupp jetzt anstrebt. Der gravierende Unterschied: Siemens handelt aus einer Position der Stärke, Thyssenkrupp steht mit dem Rücken zur Wand.

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