Erste Rückkehr nach Ingolstadt Bei Werders Bauer läuft es auch mit einem Band weniger

Robert Bauer freut sich auf das Wiedersehen mit seinem Ex-Verein FC Ingolstadt. Foto: imago/Beautiful SportsRobert Bauer freut sich auf das Wiedersehen mit seinem Ex-Verein FC Ingolstadt. Foto: imago/Beautiful Sports

Bremen. Wenn Robert Bauer zur Grätsche ansetzt, dann schlägt das Herz der Werder-Fans immer etwas höher. Denn sie lieben diesen nimmermüden Kämpfer – und diese Hochachtung wird mit folgender Information weiter wachsen.

Der Außenverteidiger spielt nämlich mit einem Handicap. „Das Band ist immer noch durch“, sagt der 22-Jährige, der am vergangenen Sonntag im Nordderby nur zwei Wochen nach seinem Außenbandriss sein Comeback gefeiert hat. Natürlich wird er auch am Samstag bei seiner ganz speziellen Rückkehr nach Ingolstadt (15.30 Uhr) auf dem Platz stehen – und keine Rücksicht auf Freunde und Verwandte nehmen.

„Ich freue mich, die ganzen Leute wiederzusehen“, sagt Bauer – und sein Strahlen verrät: Er sagt es nicht nur so dahin, dieser erste Auftritt an seiner alten Wirkungsstätte nach seinem Wechsel im Sommer an die Weser ist etwas ganz Besonderes für ihn: „Nach zwei so geilen Jahren mit dem Aufstieg und dem Klassenerhalt ist es doch klar, dass ich noch viel Kontakt habe.“

Bauer freut sich auf ehemaligen WG-Kumpel

Vor allem zu Max Christiansen, mit dem er in Ingolstadt in einer WG gewohnt hat und mit dem er schon den kommenden Sommerurlaub geplant hat. „Er hat mich am Sonntag beim Nordderby besucht“, berichtet Bauer: „Ich hoffe, Max spielt am Samstag.“ Unmöglich ist das nicht, wenn gleich Christiansen anders als Bauer kein Stammspieler ist. Aber am vergangenen Samstag bei der 0:3-Niederlage in Wolfsburg wurde der 20-Jährige immerhin das erste Mal seit zwei Monaten wieder eingewechselt.

Eine freundschaftliche Begegnung mit Bauer würde es aber nicht werden. „Während des Spiels ist das ein ganz normaler Gegner“, betont der Neu-Bremer, gesteht aber zugleich: „Natürlich würde ich mich freuen, wenn die Jungs die Klasse halten. Sie haben einen starken Charakter und deshalb mindestens die Relegation verdient.“ Aber ist dieser Wunsch überhaupt noch erfüllbar, wenn Werder – wie ebenfalls von Bauer gewünscht – in Ingolstadt alle Punkte wegholt? „Ich kann doch jetzt nicht rumrechnen, ob es für die dann noch reicht“, antwortet Bauer und findet noch einen Ausweg aus seinem kleinen persönlichen Dilemma: „Absteigen können sie am Samstag ja noch nicht.“

Werder sowieso nicht. Ohnehin scheint der Klassenerhalt nach neun Spielen ohne Niederlage in Serie und nun 39 Punkten auf dem Konto nur noch Formsache. Längst ist von Europa die Rede. Ausgerechnet die Defensivspezialisten Niklas Moisander und Luca Caldirola sind das ganz offensiv angegangen, haben die Quali für das internationale Geschäft durchaus als Ziel ausgegeben.

Reißt Werders Serie gegen Bauers Ex-Club?

Bauer macht das anders. Er beginnt mit einem Geständnis: „Wir als Team mussten uns erst mal daran gewöhnen, dass wir nun etwas Abstand zu den Abstiegsplätzen haben.“ Es folgt die pflichtbewusste Warnung: „Wir sind rechnerisch noch nicht durch.“ Und zum Abschluss gibt es noch einen traumhaften Ausblick: „Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Wenn uns das in den nächsten fünf Spielen gelingt, dann werden wir sehen, wo wir stehen.“

Kurz nachgerechnet: Werder hätte dann 54 Punkte auf dem Konto – und es müsste schon ganz verrückt laufen, wenn das nicht für Platz sechs und damit die Qualifikation für das internationale Geschäft reichen würde. Aber jeder Lauf hat bekanntlich auch ein Ende. Ein Thema, das Fußball-Profis so gar nicht mögen – und so kompromisslose Kicker wie Bauer schon gar nicht: „Wir denken doch nicht, bitte, bitte Serie, reiß jetzt nicht.“ Nix da, das Momentum wird genossen und so bis zum bitteren Ende ausgekostet.

Was dafür speziell in Ingolstadt zu tun ist, das kann natürlich Bauer am Besten beschreiben. Dafür braucht es zunächst einer Bestandsaufnahme. „Sie sind mental unglaublich stark, gehen keinem Zweikampf aus dem Weg. Jeder kämpft für den anderen“, sagt der Ex über seine einstige Liebe. Seiner neuen Beziehung rät er: „Wir müssen unser Spiel durchdrücken. Wir müssen geduldig sein. Wir haben vorne die individuelle Klasse und können immer Tore schießen.“

Er selbst konnte sich dabei noch nicht auszeichnen, ihm gelang noch kein Tor im Werder-Dress. Richtig bejubeln könnte er so ein Erfolgserlebnis in Ingolstadt sicher nicht – das verbietet der Respekt vor den Gastgebern. Umgekehrt rechnet er bei seiner Rückkehr ebenfalls mit einem fairen Umgang: „Ich denke nicht, dass die Fans mir böse sind, so schätze ich das Publikum nicht ein.“

Bauer war Dauergast in der medizinischen Abteilung

Genauso gut kann er seinen Fuß einschätzen. Der hält auch mit einem Band weniger ziemlich gut. Wie geht das? „Mit einem Tapeverband und Stabilisationsübungen“, erklärt Bauer und nicht nur das: „Das mit dem Band dauert vier bis sechs Wochen. Wichtig war, dass die Schwellung rausgeht, denn dann gehen auch die Schmerzen weg.“ Deshalb war Bauer Dauergast in der medizinischen Abteilung und ließ sich vom Physiotherapeuten Adis Lovic noch Tipps für die Heimarbeit geben.

Mit Erfolg. Bauer stand eine Woche früher als geplant wieder zur Verfügung – passend zum Nordderby. Und da wurde er in der zweiten Halbzeit als Ersatz für den verletzten Santiago Garcia sofort gebraucht. Die Fans begrüßten ihn mit mehr Beifall als üblich – denn spätestens nach seiner schnellen Genesung mit einem Höchstmaß vom berühmten „Auf-die-Zähne-Beißen“ ist Bauer ein großer Publikumsliebling.


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