SV Werder Bremen Fin Bartels: Der Unterschätzte

Von Daniel Cottäus

Nicht im Rampenlicht, aber längst ein Leistungsträger: Werders Fin Bartels. Foto: imago/Jan HuebnerNicht im Rampenlicht, aber längst ein Leistungsträger: Werders Fin Bartels. Foto: imago/Jan Huebner

Bremen. Drei Spiele hat er in der laufenden Bundesligasaison verpasst. Adduktorenprobleme. Ansonsten stand Fin Bartels in jeder Partie für Werder Bremen auf dem Platz – und lieferte dabei stets zuverlässig gute Leistungen ab.

So wie zuletzt im Nordderby gegen den Hamburger SV, als er Werders Ausgleichstreffer technisch fein vorbereitete. Fünf Saisontore, dazu fünf Assists – bei Werder haben aktuell nur Serge Gnabry (10 Tore/1 Vorlage) und Max Kruse (9/4) mehr Scorerpunkte gesammelt als der 30-Jährige. Und dennoch: In der öffentlichen Wahrnehmung nimmt Bartels zumeist keine besonders große Rolle ein.

Baumann: „Er ist ein sehr wichtiger Spieler für uns, und das seit Jahren schon“

Es sind eher die Teamkollegen, die im Rampenlicht stehen, die von den Fans ausgelassen gefeiert werden. Dass sie bei Werder allerdings ganz genau wissen, was sie an Bartels haben – das hat Sportchef Frank Baumann nun noch einmal ausdrücklich betont. „Er ist ein sehr wichtiger Spieler für uns, und das seit Jahren schon. Um seine Person gab es noch nie Diskussionen.“

Seit 2014 Stammspieler

Was auffällt: Seit Bartels im Sommer 2014 ablösefrei vom FC St. Pauli nach Bremen gekommen ist, spielt er. Sowohl Robin Dutt als auch dessen Nachfolger Viktor Skripnik als auch dessen Nachfolger Alexander Nouri – sie alle setzten oder setzen auf den gebürtigen Kieler, der auf dem Platz immer für eine Überraschung gut ist, der Ideen hat und Lücken sieht, mit denen er seine Gegenspieler in die Bredouille bringen kann.

„Wuselige“ und „quirlige“ Spielweise

Die Begriffe „wuselig“ und „quirlig“ mögen zwar längst angestaubt sein, Bartels‘ Spielweise beschreiben sie jedoch nahezu perfekt. Als Nebenmann von Max Kruse ist er im Sturm mittlerweile so wertvoll geworden, dass für Altmeister Claudio Pizarro zuletzt nur noch der Platz auf der Bank blieb.

Bartels haftet kleiner Makel an

Einen kleinen Makel hat Fin Bartels, der Mann mit den früh ergrauten Schläfen, allerdings doch, auch wenn er es vermutlich längst nicht mehr hören kann. Mit allen Vereinen, für die er vor Werder gespielt hat, stieg er am Ende ab. Mit Holstein Kiel 2007 aus der Regionalliga, mit Hansa Rostock 2008 aus der Bundesliga und 2010 aus der zweiten Liga sowie mit dem FC St. Pauli 2011 wiederum aus der Bundesliga.

Mit Werder besiegt Bartels seinen persönlichen Fluch

Auch mit Werder stand der Offensivspieler schon mehrfach am Abgrund, scheint in Bremen aber seinen persönlichen Fluch besiegen zu können. „Wir sind im Moment wirklich gefestigt und haben das nötige Selbstvertrauen“, sagte Bartels nach dem für ihn ersten Sieg mit Werder in einem Nordderby. Das klang etwas nach Erleichterung. Gezittert hat der Unterschätzte in seiner Laufbahn ja auch wahrlich genug. Da tut es sicher gut, plötzlich von Europa träumen zu dürfen.