Fitness, Fehler, Flaute Warum kann der SV Werder Bremen nicht mehr gewinnen?

Von Malte Rehnert

Nicht mehr in der Form früherer Spielzeiten: Auch bei Zlatko Junuzovic kriselt es. Foto: dpaNicht mehr in der Form früherer Spielzeiten: Auch bei Zlatko Junuzovic kriselt es. Foto: dpa

Bremen. Seit fünf Spielen wartet der SV Werder auf einen Sieg. Auf vier Pleiten folgte am Wochenende das 2:2 im Nordderby beim Hamburger SV. Ein entscheidender Grund für die Misere ist die Fitness, die Trainer Alexander Nouri nun sogar offen bemängelt. Hinzu kommen Fehler, Formschwächen und eine Flaute im Sturm. Hier hat Werder aktuell große Probleme:

Die Fitness

Die Diskussion um fehlende Frische und Konditions-Defizite ist nicht neu. Schon im September, nach der 1:2-Heimpleite gegen Augsburg , monierte Vizekapitän Zlatko Junuzovic: „Uns fehlte nach dem Ausgleich die Power, wir sind nicht mehr die nötigen Wege gegangen.“ Wichtiger Hinweis: Der Ausgleich war in der 52. Minute gefallen. Besserung ist seither nicht eingetreten. Auch in den vergangenen Wochen war Werder nicht in der Lage, eine Schlussoffensive zu starten. Während der noch immer andauernden Sieglos-Serie ist Werder stets weniger gelaufen als der Gegner. Das muss nicht entscheidend sein, kann aber.

Nun räumt sogar Trainer Alexander Nouri ein, dass die Bremer hier deutlichen Nachholbedarf haben. „Unsere Analysen zeigen, dass wir uns im Fitnessbereich weiterentwickeln müssen.“ Er nennt dafür zwei Hauptgründe. Erstens fehle „zahlreichen Spielern die Basis durch Verletzungspausen in der Vorbereitung“. Im Nordderby gegen den Hamburger SV standen am Samstag sechs Profis in der Startelf, die im Sommer, als die Grundlagen gelegt wurden, längere Zeit gefehlt hatten. Niklas Moisander, Santiago Garcia und Thanos Petsos (alle verletzt), Max Kruse (seit August dabei, dann verletzt), Robert Bauer und Serge Gnabry (beide bei den Olympischen Spielen in Rio) kamen erst spät dazu.

Zweitens – und das ist durchaus brisant – sei laut Nouri „das Konzept in der Sommervorbereitung nicht so aufgegangen wie geplant“. Eine klare, ungewöhnliche Kritik. Im Juli hatte sich Werder, befürwortet von Sportchef Frank Baumann sowie den Athletiktrainern Axel Dörrfuß und Günther Stoxreiter, für das vom damaligen Trainer Viktor Skripnik skeptisch beäugte Modell nach Raymond Verheijen entschieden. Der Fitness-Guru aus den Niederlanden, an dessen Arbeitsweise sich unter anderem Pep Guardiola orientiert, setzt beim Fitnessaufbau auf Ballarbeit und vermeidet das reine Konditionsbolzen.

Nouri hält von der Verheijen-Methode offenbar nicht viel. Der 37-Jährige, der Gesundheitsmanagement mit den Schwerpunkten Trainingslehre, medizinische Grundlagen und Ernährungslehre studiert hat, will einen anderen Weg zur Fitness-Steigerung beschreiten. Wie der genau aussieht, sagt er nicht. Nur so viel: „Wir haben die Situation im Trainerteam analysiert und gehen das gemeinsam an.“ Das heißt: mit Dörrfuß und Stoxreiter.

„Die Herausforderung in den letzten Wochen war es und wird es bis zur Winterpause sein, die Fitness zu verbessern – ohne dabei den Fokus auf die Spiele zu verlieren“, betonte Nouri. Werder muss sich die Kräfte also einteilen. Eine deutliche Verbesserung erwartet der Coach erst während der Vorbereitung nach der Winterpause: „Im Januar müssen wir einen wichtigen Schritt nach vorn machen.“

Ihm selbst ist so ein „Schritt“ in seinen ersten 71 Tagen als Werder-Trainer nicht gelungen – da hatte er (etwa während der zwei Länderspielpausen) recht viel Zeit, an den körperlichen Defiziten zu arbeiten. Verwunderlich: Kurz nach seiner Amtsübernahme im September hatte er noch von „richtig guten Werten“ bei seinen Spielern gesprochen („Wir sind topfit“) – und nun sind sie schlechter? Das hätte Nouri, seiner September-Aussage folgend, dann selbst zu verantworten.

Die Fehler

Irgendeiner patzt immer – oder gleich mehrere Bremer auf einmal. Darauf war in den vergangenen Wochen Verlass. Entweder sind es individuelle Fehler – wie bei Max Kruses Ballverlust gegen Frankfurt oder Ousman Mannehs plumpem Elfmeter-Foul gegen Freiburg. Oder kollektive Schlafmützigkeiten wie in Gelsenkirchen , als zwei Gegentreffer nach Abprallern durch schneller schaltende Schalker fielen. Extrem alarmierend dabei: Die Bremer wissen nicht so recht, wie sie die Fehler und die Defensivschwäche abstellen können. Man muss demnach damit rechnen, dass so schnell keine Besserung eintritt.

Die Formschwächen

Bei einigen Bremer Stammspielern läuft seit Wochen überhaupt nichts zusammen. Als Beispiele seien Santiago Garcia und Zlatko Junuzovic genannt. Der Argentinier Garcia ist auf der linken Abwehrseite sowohl defensiv als auch offensiv ein Schatten seiner selbst. Vom Österreicher Junuzovic gehen keinerlei Impulse oder kreative Aktionen aus. Beide müssen nun um ihren Platz bangen. Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie hat ihn bereits an Robert Bauer verloren – und der Neuzugang wird wohl auch erst mal im Team bleiben. Geschwächelt haben in Hamburg zudem die Innenverteidiger Niklas Moisander und Milos Veljkovic. Letztgenannter muss am Samstag gegen Ingolstadt vermutlich wieder raus, wenn Lamine Sane zurückkehrt.

Die Flaute

Wenn man Serge Gnabry mal als offensiven Mittelfeldmann und nicht als Angreifer ansieht, ist die Bilanz niederschmetternd. Kein einziges Tor eines richtigen Stürmers in den vergangenen fünf Partien! Zudem hatte Werder jedes Mal weniger Torschüsse als der Gegner. In Hamburg war Max Kruse die einzige Spitze. Der 28-Jährige wich aber oft auf den Flügel oder ins Mittelfeld aus – und fehlte dann im Zentrum, wenn denn mal ein brauchbarer Ball reinkam.


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