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13.01.2019, 20:22 Uhr KOLUMNE

Nicht alles, was glänzt, ist Gold in dieser Fußballwelt!

Von Tino Polster


Lobt Bundesliga-Profis, die einen Teil ihres Gehalts für karitative Zwecke abgeben: dk-Kolumnist Tino Polster. Symbolfoto: Imago/Zink.Lobt Bundesliga-Profis, die einen Teil ihres Gehalts für karitative Zwecke abgeben: dk-Kolumnist Tino Polster. Symbolfoto: Imago/Zink.

Delmenhorst. Der Sportjournalist und gebürtige Delmenhorster Tino Polster analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die Bundesliga und die Spiele des SV Werder. Der langjährige Medienchef des Bremer Fußball-Bundesligisten arbeitet u. a. für das Sportportal DAZN sowie die TV-Sender sportdigital und SPORT1 sowie die DFL.

Liebe Leser,

ach, die Trainingslagerzeit. Könnten wir doch einfach nur unter uns sein, voll konzentriert, keine lästigen Nebengeräusche, wie effizient wäre das! Jeder Trainer eines Bundesligisten wünschte es sich genau so. Aber kaum einer bekommt den Wunsch erfüllt. Würde es allein nach den Übungsleitern gehen, es gäbe keine Abenteuer-Reisen, beispielsweise nach Südafrika. Die Platzverhältnisse – nicht wirklich optimal. Das Wetter – aus 9000 Kilometer Entfernung vorher schwer einschätzbar.

Die Testspielgegner – gut, dass es überhaupt welche gibt. Das Marketing-Trainingslager gilt dennoch als gelungen, sagt Werder. Und führt dafür auch den Besuch der Profis in einem Armenviertel an. Quasi als Gegenentwurf zur Freizeitgestaltung des französischen Steakfreundes in Diensten der Münchener Bayern. In Zeiten durchgeknallter Starköche und Frisöre, die zu den ersten Ansprechpartnern vieler Fußballer gehören, ist der Blick auf das wahre Leben für die Werder-Profis hoffentlich mehr als eine lästige Zeitverschwendung gewesen.

Ja, nicht alles, was glänzt, ist Gold in dieser Fußballwelt! Das Dekadenzsteak à la Ribéry: Auf seiner Oberfläche spiegelt sich eine völlig surreale Welt. Dreistellige Millionensummen als Abstandszahlung für Menschen, die, zugegeben, sehr gut Fußball spielen können. Bis zu zweistellige Millionensummen als Jahresgehälter.

Natürlich gibt es ganz viele Normalos in diesem Geschäft, sogar Spieler, die ein Prozent ihres Einkommens für karitative Zwecke abgeben. Tut das weh? Es scheint so. Denn die Zahl derer, von denen bekannt ist, dass sie so Gutes tun, bleibt bislang überschaubar.

Warum fällt mir jetzt gerade Marko A. ein? Genau: der ehemalige Werder-„Arni“, der mal einem rechtschaffenden Polizisten mitteilte: „Ich kann Dein Leben kaufen!“, dieser Marko Arnautovic möchte nun gerne seinen bis 2022 laufenden Vertrag mit West Ham United beenden. Man habe ihn vor anderthalb Jahren gekauft, um den Abstieg zu verhindern. Auftrag erfüllt, es sei nun Zeit für größere Ziele. Arni möchte, so ließ er über seinen Bruder verlauten, um die Meisterschaft mitspielen. In China! Dass es in Wirklichkeit um die Sicherung eines Blattgold-Mittagstisches auf Lebenszeit geht, hat der bescheidene Österreicher verschwiegen.


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