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27.10.2018, 14:27 Uhr KOLUMNE

SV Werder spielt „Erwachsenen-Fußball“

Von Tino Polster

Daumen hoch: dk-Kolumnist Tino Polster freut sich über die starken Leistungen, die die Werder-Profis um Claudio Pizarro in dieser Saison zeigen. Foto: dpa/Carmen JaspersenDaumen hoch: dk-Kolumnist Tino Polster freut sich über die starken Leistungen, die die Werder-Profis um Claudio Pizarro in dieser Saison zeigen. Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Der Sportjournalist und gebürtige Delmenhorster Tino Polster analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die Bundesliga und die Spiele des SV Werder. Der langjährige Medienchef des Bremer Fußball-Bundesligisten arbeitet u. a. für das Sportportal DAZN sowie die TV-Sender sportdigital und SPORT1 sowie die DFL.

Liebe Leser,

es ist vollbracht! Der SV Werder Bremen ist eine ausbalancierte Fußballmannschaft. Sechs Punkte aus den letzten beiden Partien, jeweils erreicht durch 2:0-Siege, grundsolide erspielt. Nein, nicht langweilig, sondern clever und in Passagen richtig schön. Eine gefühlte Ewigkeit warteten die Fans der Grün-Weißen auf solche Stabilität: Werder steht bei acht Gegentoren nach acht Partien, kein Team ließ weniger zu. Auf Neudeutsch nennt man so etwas jetzt Erwachsenen-Fußball. Auf jeden Fall ist es eine reife Leistung. Natürlich mag man sich gerne an die wilden Zeiten erinnern – beispielsweise an das legendäre 6:5 gegen Hoffenheim – aber später reichte die Qualität nicht mehr, um irgendwie immer noch ein Tor mehr zu schießen als der Gegner. Diese Zeiten sind vorbei, das neue Konzept trägt, vorbei auch die Angst vor dem Rekordmeister. Werder vor Bayern – und das vor dem neunten Spieltag, 0:6, 0:7, wann war das? Auch wenn Dortmund, München und auch Mönchengladbach noch kommen, Werder nutzt die Gunst der Stunde. Und die Stunde ist günstig, auch am Sonntag wieder gegen Ruuuuudi. „Es-gibt-nur-ein-Rudi-Völler“ hatte auch schon mal mehr Spaß, in seine einstige fußballerische Heimat nach Bremen zurückzukehren. Denn in Leverkusen müssen sie sich für den Fall einer Niederlage schon mal die richtigen Worte zurechtlegen. Nach dem herben Rückschlag in der Europa League geht es um die Zukunft von Heiko Herrlich. Auch in der Bundesliga spielt der Werksklub bis hierhin die schwächste Saison seit 12 Jahren. Bayer 04 verunsichert, Werder dagegen scheint gefestigt. In einer Spielzeit, in der vieles fast zu schön ist, um wahr zu sein. Oder hätten Sie getippt, dass Maximilian Eggestein mit vier Treffern auf Platz acht der Torjägerliste geführt würde? War etwa zu erwarten, dass „Piza“ einen Lieferservice gründet und schon zweimal zu Toren aufgelegt hat? Das Kohfeldt-Team weiß immer wieder angenehm zu überraschen. Auch weil es unangenehm für jeden Gegner ist. Nur Leipzig bestritt mehr Zweikämpfe pro Spiel, defensive und offensive zusammengerechnet. Die Bremer sind aktiv. Aktiv ist attraktiv! Werder schickt sich an, den fünften Sieg aus den letzten 6 Bundesligapartien zu holen. Nur Dortmund war da noch erfolgreicher. Tusch!


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