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14.09.2018, 23:05 Uhr KOLUMNE

Beim SV Werder kehrt der Glaube an den Erfolg zurück

Von Tino Polster

Ist für dk-Kolumnist Tino Polster ein Eckpfeiler, auf dem die Werder-Zukunft gebaut werden kann: Maximilian Eggestein (Mitte). Foto: dpa/Hasan BraticIst für dk-Kolumnist Tino Polster ein Eckpfeiler, auf dem die Werder-Zukunft gebaut werden kann: Maximilian Eggestein (Mitte). Foto: dpa/Hasan Bratic

Der Sportjournalist und gebürtige Delmenhorster Tino Polster analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die Bundesliga und die Spiele des SV Werder. Der langjährige Medienchef des Bremer Fußball-Bundesligisten arbeitet u. a. für das Sportportal DAZN sowie die TV-Sender sportdigital und SPORT1 sowie die DFL.

Liebe Leser,

das „Werder-wir-sind-wieder-wer“-Programm von Florian Kohfeldt läuft erstaunlich stabil. Auch weil der Trainer nie nachlässt klarzumachen, wer Werder im Moment gerade ist. „Bei allem Respekt vor Nürnberg“, sagt Kohfeldt, „wir sind das bessere Team und haben die besseren Einzelspieler!“ Ein Satz, der so von seinen Vorgängern kaum zu hören war. Man hätte sich bei einer Niederlage ja den Mund verbrannt.

Es kommt nicht von ungefähr, dass in Frankfurt das vermutlich späteste Siegtor der Bremer Bundesligahistorie gelang: 90.+6. Sie haben den festen Glauben an den Erfolg. Dass der Trainer nach einer „latenten Unzufriedenheit im Team“ verlangt, gehört zum Umerziehungsprogramm. Ein langjähriger Abstiegskandidat wird auf links gezogen. Das ist harte Arbeit, täglich neu. Einmal lüften reicht da nicht. Diese „Hoffentlich-geht-das-nicht-schief-Mentalität“, sie hatte sich über Jahre festgesetzt. Überall im Klub. Bei den Spielern, aber auch bei den Mitarbeitern des Vereins.

„Werder hat genug vom Zusehen an Europacup-Abenden“

Jetzt geben Trainer und Sport-Geschäftsführer überzeugend die Richtung vor: Es geht darum, jeden Tag ein wenig besser zu werden! Also verwandelte in Frankfurt einer den entscheidenden Freistoß, der in dieser Disziplin bisher noch nicht den Kredit der Öffentlichkeit besaß. Was sollte nur sein nach Junuzovic und Delaney? Die Antwort: Milot Rashica! So gab es den besten Saison-Start seit fünf Jahren.

Frankfurt als Gradmesser. Denn die Eintracht spielt in der Europa League. Ich freue mich übrigens darauf, die Partie in Marseille am Donnerstag live für DAZN zu kommentieren. Werder hat genug vom Zusehen an Europacup-Abenden, man spürt die Sehnsucht, aber vor allem die Gier, wieder zurück ins Licht zu finden. Elementar dafür sind Heimsiege. 13-mal im Weser-Stadion ungeschlagen, eine längere Serie schaffte nur ein gewisser Otto Rehhagel in der Saison 94/95.

Da war Werders Juwel Maxi Eggestein noch gar nicht geboren. Der ist ein weiterer Pfeiler, auf dem eine gute Zukunft gebaut werden kann: Im Klub ausgebildet, von hohem Identifikationswert für die Fans, von U-21-Nationaltrainer Stefan Kuntz jetzt sehr gelobt, tolle Perspektive. Was noch fehlt? Dass so ein Muss-Spiel wie am Sonntag auch tatsächlich gewonnen wird. Dann wäre schon wieder etwas besser als in den Vorjahren.


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