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25.08.2018, 14:14 Uhr KOLUMNE

Es wird Zeit, dass Werder auch mal Hinrunde kann

Von Tino Polster

Selbstbewusst: Florian Kohfeldt blickt mit Werder Bremen Richtung Europa - das gefällt unserem Kolumnisten Tino Polster. Foto: imago/NordphotoSelbstbewusst: Florian Kohfeldt blickt mit Werder Bremen Richtung Europa - das gefällt unserem Kolumnisten Tino Polster. Foto: imago/Nordphoto

Bremen. Larifari-Strategien wie „erst mal 40 Punkte holen“ passen auch nicht mehr wirklich zu Werder Bremen in der „Kohfeldt-Edition“, meint unser Kolumnist Tino Polster.

Liebe dk-Leser,

am Freitag war ich beim Ligaauftakt in München. Mein lieber Freund, was für eine Ansage von Julian Nagelsmann: Das Maximale will er anstreben, die Meisterschaft! Maximal erscheint auf Sicht nur die Chance, daran zu scheitern. Egal. Mir gefällt der Ansatz.

Es scheint, als seien ambitioniert gesteckte Ziele im Fußball plötzlich angesagt: „Wir wollen nach Europa!“ Frank Baumann und Werder ließen aufhorchen. Über einen langen Zeitraum haben Bundesliga-Trainer und -Manager penibel darauf geachtet, bloß keine Parolen in die Welt zu setzen, die ihnen später wieder um die Ohren fliegen könnten. Jetzt gehören in vielen Clubs Psychologen zum Staff, und die vermitteln: Weichgespülte Ziele helfen nur bedingt weiter, um echte Erfolge zu feiern. Larifari-Strategien wie „erst mal 40 Punkte holen“ passen auch nicht mehr wirklich zu Werder Bremen in der „Kohfeldt-Edition“.

Aber es ist auch eine Lehre aus der Vergangenheit, die neue Spielzeit so offensiv anzugehen. Als im vergangenen April der Klassenerhalt gefühlt geschafft war, fehlte ein klares neues Ziel: Die Europa League wurde nicht zur Vorgabe, und die Mannschaft holte zwischen dem 29. und 33. Spieltag aus fünf Partien nur drei Punkte. Diesmal heißt es also: Attacke!

Und erinnert mich an Ümit Davala, Neuzugang im Sommer 2003. Der riss Team und Fans mit, als er mit seinem Selbstverständnis als vierfacher türkischer Meister einfach mal erklärte, was man sich in Bremen ewig nicht mehr getraut hatte: „Ich will mit Werder den Titel holen!“ So sollte es kommen.

Diesmal ist Platz sechs das Ziel, auch der Pokalsieg führt ja nach Europa. Der Auftritt in Worms hat sehr geholfen, die neue Richtung mit echter Überzeugung in die Öffentlichkeit zu tragen. Der Club von der Weser wird daran gemessen werden. Und das ist auch gut so.

Nach einer zu langen Zeit des Duckmäusertums braucht das einst starke und stolze Werder den Nachweis einer Entwicklung. Andernfalls hätten Geschäftsführung und Aufsichtsrat jahrelang nichts anderes geschafft, als den Mangel zu verwalten.

Es wird Zeit! Für einen Sieg am 1. Spieltag, den ersten seit fünf Jahren. Es wird Zeit, dass SVW endlich auch mal Hinrunde kann. Es wird Zeit, den Fans zurückzuzahlen – für all die Leidenschaft, die Werder am Leben gehalten hat.


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