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10.03.2018, 19:33 Uhr KOLUMNE

Werder-Kolumne: Fußball gerät immer mehr außer Kontrolle

Von Tino Polster

Würden am Montag gerne einen Heimsieg über den 1. FC Köln bejubeln: die Werder-Profis Thomas Delaney (links) und Niklas Moisander. Foto: Imago/EibnerWürden am Montag gerne einen Heimsieg über den 1. FC Köln bejubeln: die Werder-Profis Thomas Delaney (links) und Niklas Moisander. Foto: Imago/Eibner

Der Sportjournalist und gebürtige Delmenhorster Tino Polster analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die Bundesliga und die Spiele des SV Werder. Der langjährige Medienchef des Bremer Fußball-Bundesligisten arbeitet u. a. für das Sportportal DAZN sowie die TV-Sender sportdigital und Sport1 sowie die DFL.

Liebe Leser,

mit Florian Kohfeldt hat Werder im Schnitt 1,48 Punkte pro Spiel geholt. Hochgerechnet wären das bis zum Ende 40 Punkte. Gerettet! Aber: Zu diesem Zeitpunkt hatte Werder überhaupt nur zweimal weniger Zähler auf dem Konto, in den Jahren 1970 und 1975 nämlich. Ja, selbst in der bisher einzigen Abstiegssaison war das Punktekonto vor dem 26. Spieltag noch besser gefüllt. Ich will keine Angst schüren, doch der Relegationsplatz ist immer noch ganz nah.

Werder hat gegen Köln lange nicht gewonnen

Und der 1. FC Köln für Werder fast so unbesiegbar wie Bayern München. Acht Spiele ohne Dreier gegen die Rheinländer – und die bringen „Piza“ mit. An der ehemals grün-weißen Lebensversicherung werden sich Kruse und Co. doch bitte nicht verschlucken. So oder so, den Geißbock holen sie ab August häufiger am Montag aus dem Stall. Ich kann das ehrlich gesagt immer noch nicht fassen. Habe den FC an dieser Stelle gerne als positives Beispiel dargestellt, wie man durch kompetente, ruhige Arbeit Erfolg haben kann. Und muss feststellen: Fußball gerät immer mehr außer Kontrolle. Es gab sicherlich noch weitere Gründe für den Niedergang der Kölner, aber der Abgang von Modeste hat alles ins Wanken gebracht. Die entscheidende Qualität futsch, das viele Geld reinvestiert in „Allerwelts-Spieler“.

Zeit von Yuning Zhang läuft ab

Werder könnte so etwas auch blühen, wenn Max Kruse seiner Karriere doch noch mal einen Kick geben möchte. Gegen den 1. FC Köln ist Max mit seinen bisherigen Teams in neun Partien übrigens noch nie ein Treffer gelungen – wird also Zeit! Zeit, die bei Yuning Zhang abläuft. Werders erster Leih-Chinese wird sich, ohne ein Pflichtspiel bestritten zu haben, höflich verabschieden.

Als Opfer des immer unmenschlicher werdenden Fußball-Business. Dass der 20-Jährige für die Bundesliga zu schwach ist, hätte Werders Fachpersonal vorher erkennen können. Dass es keine Spielgenehmigung für die 3. Liga gibt auch.

Auch bei West Bromwich Albion fehlte eine Arbeitserlaubnis für England. WBA, das dem Chinesen Lai gehört, hatte Zhang für irre 7 Millionen Euro von Arnheim gekauft. Lai wiederum arbeitet mit Werder bei der Unterstützung seiner kommerziellen Fußballzentren in China zusammen. Für die Zhang eigentlich Marketingmaschine sein soll. Das Missmanagement anderer hat den Spieler nun mindestens ein Jahr seiner Karriere gekostet.


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