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04.03.2018, 18:56 Uhr KOLUMNE

Florian Kohfeldt nimmt sich gar nicht wichtig, ist es aber doch


Bremens Trainer Florian Kohfeldt nimmt sich gar nicht wichtig, ist es aber doch, schreibt Tino Polster in unserer Werder-Kolumne. Foto: WittersBremens Trainer Florian Kohfeldt nimmt sich gar nicht wichtig, ist es aber doch, schreibt Tino Polster in unserer Werder-Kolumne. Foto: Witters

Der Sportjournalist und gebürtige Delmenhorster Tino Polster analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die Bundesliga und die Spiele des SV Werder. Der langjährigeMedienchef des Bremer Fußball-Bundesligisten arbeitet u.a. für das Sportportal DAZN sowie die TV-Sender sportdigital und SPORT1 sowie die DFL.

Liebe dk-Leser,

gefühlt ist Werder Bremen raus aus dem Schlamassel. Wenn man auf die Tabelle schaut, dann leider nicht. Nur zwei Punkte Abstand auf den Relegationsplatz – es bleibt noch einiges zu tun. Aber freuen wir uns doch erst mal über einen Etappensieg. Denn zumindest der Totalschaden Direktabstieg ist abgewendet.

Der Punkt aus Mönchengladbach ist wertvoll, ein „schmutziger“ Derbysieg dadurch nicht noch nachträglich entwertet, Köln und der HSV bleiben abgehängt. Obwohl: Ein Leben ohne den Rauten-Club mag ich mir gar nicht vorstellen. Was machen wir nur ohne diese knisternde Rivalität? Hannover 96 nehmen? Die Niedersachsen werden von ihren Fans zwar auch HSV gerufen – das war’s aber schon. Bei der Gelegenheit: Er ist außer Rand und Band, der Fußball-Norden!

Zu 96 ins Stadion zu gehen ist ein grenzwertiges Vergnügen – Stimmungsboykott, Gezänk und Generve zwischen Normalo- und Kurvenfans, dazu ein erbarmungswürdiges Krisenmanagement. Alles besonders traurig, weil der Aufsteiger eine bemerkenswert gute Saison spielt. Gehen wir weiter nach Wolfsburg. Da läuft die Krise quasi vom Band. Es kann Trainer sein, wer will. Und auch Spieler kann der Club verpflichten, wie er möchte – den Motor bekommen sie einfach nicht mehr zum Laufen.

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Und in Hamburg beginnen nun sogar die Fans mit tätowierter Raute den Abstieg regelrecht zu wollen. Ihre Überzeugung: Nur eine radikale Erneuerung könnte noch helfen. Einzig Bremen ist ein langer, ruhiger Fluss. Das liegt auch am Frontmann. Florian Kohfeldt nimmt sich gar nicht wichtig, ist es aber doch. Weil er starken Inhalt hat, freundlich, respektvoll und demütig ist im positiven Sinn, schlagfertig noch dazu. Wie er mit seinem Trainer-Team innerhalb von nur vier Monaten eine scheue Igelfamilie in eine funktionierende Gruppe gefährlicher Alphatiere verwandelt hat, verdient eigentlich eine eigene Zaubershow.

Jetzt gilt es die Aufführung störungsfrei fortzuführen. Apropos störungsfrei: In einer Woche kommt der 1. FC Köln, am Montag! Die Vereine haben diesen neuen Termin einstimmig beschlossen zur besseren Regeneration nach Europa-League-Einsätzen. Als Fan muss man den Spieltag nicht mögen. Sollte aber bedenken, dass es nur fünf von insgesamt 306 Bundesligaspielen sind, die am Montag ausgetragen werden.


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