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24.02.2018, 14:54 Uhr KOLUMNE

Wiese auf der Tribüne, Kruse auf der Wiese – so geht Derby heute!

Von Tino Polster


HSV-Spezialist: Max Kruse – hier beim Besuch im ZDF-Sportstudio am vergangenen Samstag – verlor keines seiner zwölf Spiele gegen die Hamburger.HSV-Spezialist: Max Kruse – hier beim Besuch im ZDF-Sportstudio am vergangenen Samstag – verlor keines seiner zwölf Spiele gegen die Hamburger.

Der Sportjournalist und gebürtige Delmenhorster Tino Polster analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die Bundesliga und die Spiele des SV Werder. Der langjährigeMedienchef des Bremer Fußball-Bundesligisten arbeitet u. a. für das Sportportal DAZN sowie die TV-Sender sportdigital und SPORT1 sowie die DFL.

Nordderby ist Wiese. Der „Derbynator“ pumpt heute beim Spiel durch den VIP-Bereich, und das ist gut so. Schließlich braucht Bernd Hoffmann einen adäquaten Gegner. So wie Werders Ex-Keeper einst „dem HSV auf den Sack geben“ wollte, kündigte der neue HSV-Präsident Hoffmann fast neun Jahre später an, zusammen mit den HSV-Fans Werder aufzumischen. Ja, es war Wahlkampf, aber auch endlich wieder Derby!

Ein Nordderby, das in den vergangenen Jahren immer weniger Schlagzeilen gemacht hat. Auf dem Platz, aber auch daneben. Schlimme Ausschreitungen sind durch das ansonsten besonnene Verhalten beider Klubleitungen und den – wie wir nun wissen – extrem kostspieligen Einsatz der Polizei verhindert worden. Die „Vier-Chancen-Tournee“ stellte 2009 den absoluten Ausnahmezustand dar. Und war der Ausgangspunkt für den Niedergang des HSV.

Bescheidenheit gehört nicht zu den Eigenschaften von HSV-Präsident Bernd Hoffmann

Bernd Hoffmann führte damals als Vorstandschef den Noch-Dino. Fischereihafen-Restaurant Hamburg, das gemeinsame Essen der Klubs vor dem Rückspiel im UEFA-Cup-Halbfinale: Übermäßige Bescheidenheit gehört nicht zu den Eigenschaften, an die ich mich beim damaligen HSV-Boss erinnern kann. Er ließ uns spüren: Das Finale in Istanbul? – wohl nur der HSV! Ich sag nur Papierkugel. Hoffmann war bald Geschichte – bis vergangenen Sonntag. Ob er noch etwas retten kann? Wer wie der HSV nach dem 23. Spieltag sechs Punkte Rückstand auf Platz 16 aufwies, war seit Einführung der Drei-Punkte-Regel stets zum Abstieg verdammt. Eigentlich erstaunlich. Denn eine Werder-Niederlage heute würde den Vorsprung auf den Rivalen auf drei Punkte schmelzen lassen. Nur noch drei Punkte. Oder doch lieber neun?

Das wäre ein maximaler Festakt für die Werder-Fans. Grund zur Häme? Die Entwicklung der Grün-Weißen verlief in den letzten Jahren ähnlich schlecht, nur das Drama war kleiner und die aktuelle Tendenz liest sich besser: Beim Hinrunden-0:0 war Werder 17., der HSV stand auf Platz 15. Jetzt ist es umgekehrt.

Es steckt viel Substanz im Team, Werder hat in den letzten sechs Spielen gegen schlechter platzierte Gegner keine Niederlage einstecken müssen. Und dann ist da ja noch HSV-Spezialist Max Kruse: zwölf Spiele hat er gegen die Hamburger bestritten, keines verloren. Wiese auf der Tribüne, Kruse auf der Wiese – so geht Derby heute!


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