Ein Bild von Tino Polster
17.02.2018, 14:16 Uhr KOLUMNE

Werder-Kolumne: Zeit für eine Entschuldigung

Von Tino Polster

Es läuft bei Werder: Trainer Florian Kohfeldt und Mittelfeldmotor Maximilian Eggestein können in Freiburg den dritten Sieg in Folge einfahren. Foto: imago/Team 2Es läuft bei Werder: Trainer Florian Kohfeldt und Mittelfeldmotor Maximilian Eggestein können in Freiburg den dritten Sieg in Folge einfahren. Foto: imago/Team 2

Bremen. Der Sportjournalist und gebürtige Delmenhorster Tino Polster analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die Bundesliga und die Spiele des SV Werder. Der langjährige Medienchef des Bremer Fußball-Bundesligisten arbeitet u. a. für das Sportportal DAZN sowie die TV-Sender sportdigital und SPORT1 sowie die DFL.

Werder befindet sich im Aufzug. Und es scheint, als hätte der zurzeit nur eine Taste: aufwärts! Was für eine Chance – heute könnten Kruse & Co. mit Stuttgart und Wolfsburg zwei Rivalen hinter sich lassen und Gegner Freiburg gleich dazu – wäre summa summarum Platz zwölf.

Die Wahrscheinlichkeit? Hoch! Wenn die Bremer kommen, schmeckt den Breisgauern der Wein nicht mehr. Sieben der vergangenen neun Heimspiele haben sie gegen Werder verloren. Das letzte im April 2017 mit 2:5, Thomas Delaney gelang sogar ein Hattrick.

Für mich ist es an der Zeit Entschuldigung zu sagen. Ich hatte dafür plädiert, als Nachfolger von Alexander Nouri einen erfahrenen Trainer von außen zu verpflichten. So kann man sich irren – ganz offensichtlich ist Florian Kohfeldt mit seiner sympathischen, uneitlen, aber klaren Ansprache genau der richtige Aufzugführer für dieses Team. Dem mit einem Dreier in Freiburg eine richtig positive Serie winkt. Das wären dann erstmals in dieser Saison drei Siege in Folge.

Mehr über Werder Bremen lesen Sie in unserem Themenportal

So wie ein Trainer im Negativfall durch die Medien filetiert wird, spürt Florian Kohfeldt jetzt Schulterklopfer, bis es schmerzt. Und das meine ich genau so. Sicher tut es gut, positive Resonanz zu spüren, aber bitte in Maßen. Doch sein Maß hat der Fußball längst verloren. Ich kann mir gut vorstellen, dass es dem Delmenhorster Bundesligatrainer lieber wäre, der Fokus läge noch mehr auf der Mannschaft. Denn die setzt die Vorgaben erfolgreich um. Wobei Einzelne herausstechen.

Schon erstaunlich, dass Florian Kainz endlich über gute Ansätze hinauskommt und Traumtore schießt. Wenn Neuzugang Milot Rashica bisher etwas bewirkt hat, dann möglicherweise die Leistungssteigerungen bei Kainz und Johannson – Konkurrenz belebt das Geschäft.

Heute im Schwarzwaldstadion wird Werder einen dicken Ast sägen müssen. Die schwarze Serie gegen den SVW ist das eine, der unbändige Wille des Teams von Christian Streich das andere. Nehmen wir sinnbildlich Nils Petersen. Der Ex-Werderaner läuft als vorderste Instanz fast so viel wie Marathonmann Maxi Eggestein im grün-weißen Trikot. „Wenn wir nicht alles gegen den Ball tun, haben wir schon verloren“, sagt Christian Streich und lebt die totale Leidenschaft an der Seitenlinie vor. Eine echte Reifeprüfung wird das!


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN