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02.02.2018, 23:48 Uhr KOLUMNE

Werder-Kolumne: Abstiegsangst frisst Schuldenangst

Von Tino Polster


Freut sich auf sein erstes Spiel mit dem SV Werder: Sebastian Langkamp wechselte von Hertha BSC Berlin nach Bremen. Foto: dpa/Carmen JaspersenFreut sich auf sein erstes Spiel mit dem SV Werder: Sebastian Langkamp wechselte von Hertha BSC Berlin nach Bremen. Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Der Sportjournalist und gebürtige Delmenhorster Tino Polster analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die Bundesliga und die Spiele des SV Werder. Der langjährige Medienchef des Bremer Fußball-Bundesligisten arbeitet u. a. für das Sportportal DAZN sowie die TV-Sender sportdigital und SPORT1 sowie die DFL.

Liebe Leser,

Abstiegsangst frisst Schuldenangst. Werder, der klamme Club, hat kräftig investiert. Interessant, für wen wahrscheinlich mehr als 10 Millionen Euro ausgegeben wurden. Der kleinere Teil ging für die Nr. 5 der Hertha-internen Innenverteidiger Rangliste drauf. Sebastian Langkamp war durchgerutscht in der Wertschätzung von Pal Dardai. Werder glaubt, er hilft. Ein guter Typ, ein klasse Profi, gewiss zuverlässig mit reifen 30 Jahren. Kann man mal machen, wenn man keine größeren Ansprüche hegt.

Und dann ist da diese hochspekulative Anlage – Milot Rashica. Er galt in Albanien mit ganz jungen Jahren als Jahrhunderttalent. Auf ihn passt noch das Wort „Straßenkicker“, explosiv und trickreich. Sein Vorbild: CR 7. In der Europa-League- Gruppenphase konnte sich Rashica ganz gut in Szene setzen. Ein perfektes Schaufenster, denn die Holländer wollten nun Geld machen. Der damalige Trainer Henk Fraser verkündete schon Ende November öffentlich, dass er für die Rückrunde nicht mehr mit seinem Flügelflitzer rechne. Ob man da schon an Werder dachte?

Clubs aus der Serie A, andere Bundesligisten, viele scouteten den Spieler. Aber nur die mutigen Bremer waren kurz vor Toresschluss bereit, annähernd das zu zahlen, was sich die geschäftstüchtigen Gelderländer vorstellten. Die Ablöse bei 10 Millionen – eiligst bemühte sich Werders Geschäftsführung, Meldungen aus den Niederlanden wieder einzufangen. Inklusive vereinbarter Bonuszahlungen wird die Summe aber keinesfalls geringer als 8 Millionen ausfallen. Damit schafft es der 21-jährige Rashica locker in die Top 5 der teuersten Werder-Zugänge.

Das Geld fließt für einen Akteur aus der Eredivisie, die, ähnlich der holländischen Nationalelf, von Jahr zu Jahr schwächer wird. Reihenweise scheitern Spieler, die ins Ausland gehen. Auch solche, die hoch eingeschätzt werden wie Davy Klaassen. Der Ex- Ajax-Kapitän und Europa-League-Finalist schmort bei Everton auf der Bank.

Sebastian Haller ist ein Gegenbeispiel – Frankfurt holte den Stürmer aus Utrecht. 7 Millionen Euro gut angelegt. Für einen Mittelstürmer wohlgemerkt. Milot Rashica schießt wenig Tore, kann er Bundesliga auf Anhieb? Und vor allem kann er Abstiegskampf? Auf Schalke lässt sich das prima überprüfen. Ich bin gespannt!


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