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20.01.2018, 19:48 Uhr KOLUMNE

Werder-Kolumne: Manchmal passiert etwas völlig Verrücktes

Von Tino Polster

Beim FC Bayern gefordert: der Fußball-Bundesligist SV Werder um seinen Trainer Florian Kohfeld. Foto: dpa/Carmen JaspersenBeim FC Bayern gefordert: der Fußball-Bundesligist SV Werder um seinen Trainer Florian Kohfeld. Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Der Sportjournalist und gebürtige Delmenhorster Tino Polster analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die Bundesliga und die Spiele des SV Werder. Der langjährige Medienchef des Bremer Fußball-Bundesligisten arbeitet u. a. für das Sportportal DAZN sowie die TV-Sender sportdigital und SPORT1 sowie die DFL.

Liebe Leser,

da hat Werder aber Glück! An diesem Sonntag kann der FC Bayern noch nicht Meister werden. Noch nie in der 55-jährigen Geschichte der Bundesliga hatte ein Verein nach dem 18. Spieltag einen größeren Vorsprung als der Rekordmeister mit seinen dreizehn Punkten. Vergessen wir den „Jugendwahn“ im Trainergeschäft, die Tedescos, Nagelsmänner und – mit Verlaub – auch Kohfeldts.

Die Grauen Panther von der Säbener Straße sind das coolste Trainer-Trio der Welt. Zweihundert Jahre Erfahrung – die Rentner-Gang mit Jupp Heynckes (72), seinen Co-Trainern Peter Hermann (65) und „Tiger“ Hermann Gerland (63), hat im abgezockten, aufgeregten Fußballgeschäft offenbar alles, was es braucht, um eine Ansammlung von Stars von Sieg zu Sieg und damit zum sechsten Meistertitel in Folge zu führen.

Nicht traurig sein also, wenn Werder es dem FSV Mainz 05 nicht nachmachen kann. Die Mainzer entführten als letztes Team drei Punkte aus der Allianz-Arena. Im März 2016 war das. Es ist gar nicht mal sehr spektakulär, wie Bayern seine Spiele gewinnt, aber genau darin spiegelt sich die Cleverness des zeitlosen „Don Jupp“ wider. Kein Bundesliga-Team führt weniger Zweikämpfe als die Bayern – sie haben halt das entsprechende Positionsspiel und meistens den Ball.

Werder braucht Mut, um das unmöglich Erscheinende zu schaffen. Darf nicht daran denken, dass nach erfolgreichem Start unter neuer Leitung die letzten drei Spiele nicht gewonnen wurden. Auch nicht schön: Um zu diesem Zeitpunkt der Saison noch weniger Punkte auf dem Konto zu finden, muss man als Grün-Weißer 43 Jahre zurückgehen. In den 1970er-Jahren galten in Bremen fast durchgängig die fußballerischen Notstandsgesetze – Ende: Abstieg.

Das fühlt sich diesmal trotz Relegationsplatz ganz anders an. Erstmals seit Langem wird vor einem Gastspiel in München nicht ausschließlich über die Höhe der Niederlage diskutiert.

Irgendwann muss sie doch mal zu Ende sein, die längste Niederlagenserie, die ein Klub in der Bundesliga gegen einen anderen Verein je hatte. Und auch wenn Max Kruse zu Recht darauf hingewiesen hat, Werder müsse sich verstärken, um mal nicht gegen den Abstieg zu spielen, passiert im Fußball manchmal einfach so etwas völlig Verrücktes.


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